Der multikulturelle Weihnachtsmann

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Richtig Weihnachtsstimmung gibt es bei uns nicht. Ehrlich gesagt hat es mir nie wirklich gefehlt. Was ich vermisse ist das Skifahren, denn als Kind gehörte das für mich immer zu Weihnachten dazu. Aber auch das ist schon lange her. Heute ist es für mich Backzeit. Das Einzige, was mich über viele Jahre an Weihnachten erinnert hatte waren die selbstgebackenen Weihnachtskekse, die meine Mutter jedes Jahr geschickt hatte, so lange sie noch am Leben war. Jetzt backen wir selber und füllen unser Haus mit angenehmen Gerüchen und Lichtern. In Israel feiert man Hanukkah im Winter. Es ist vor allem für Kinder ein wunderschönes Fest mit vielen Kerzen, mit Liedern und Leckereien.

Da ich in einer Firma arbeite, in der Angehörige verschiedener Religionen und verschiedener Nationalitäten zusammenkommen gab es bei uns eine kombinierte Weihnachts- und Hanukkah Feier. Der überwiegende Teil der Angestellten sind entweder Juden oder Christen und die beiden winterlichen Feiertage fielen dieses Jahr genau auf dieselben Tage.

Hanukkah ist das Lichterfest zum Gedenken daran, dass die Maccabiner den Tempel zurückgewannen. Um ihn wieder zu einem heiligen Ort zu weihen war ein bestimmtes, besonders reines Öl notwendig, deren Herstellung acht Tage dauert. Im Tempel befand sich jedoch nur eine Öllampe, die Öl für einen einzigen Tag beinhaltete. Durch ein Wunder brannte diese  für ganze acht Tage, bis neues Öl angefertigt war. Der Tempel wurde nicht entweiht. Das Wunder des Ölkanisters.

So die Geschichte. Wer weiß, was wirklich passiert ist. Aber das ist letztendlich genauso egal, wie die Frage, wie Jesus‘ jungfräuliche Mama wirklich schwanger wurde. Hauptsache wir haben einen Grund zusammen zu kommen, Kerzen anzuzünden, leckere Sachen zu essen und zu trinken, gemeinsam Lieder zu singen und uns gegenseitig Gutes zu wünschen und zu tun. Das ist es, worum es geht, denn mit der Religion haben wir es schon lange nicht mehr.

Das Buero wurde für ‚Chrisnukkah‘ mit allerhand Glitzerzeug dekoriert. Ein Weihnachtsbaum schmückte den Eingang und an der Rezeption stand eine Hanukkiah (Hanukkah-Leuchter). Am Nachmittag kamen Ehepartner der Angestellten mit Kindern. Die Esstische in der Firmen Küche waren mit Schokolade und Sufganiot festlich gedeckt – Sufganiot sind Gebäck, ähnlich wie Berliner / Krapfen. Dort fand sich die Belegschaft ein und hörte sich die feierlichen Worte eines Senior Managers an. Dann wurden die Kerzen am Hanukkah-Leuchter angezündet. Eigentlich zündet man am ersten Tag nur die erste Kerze an und fügt dann jeden Tag eine hinzu bis alle acht brennen, aber für diesen Anlass nahmen wir das nicht so genau.

Dann erklangen abwechselnd Weihnachts- und Hanukkah Lieder aus einem Laptop. Mitarbeiter stülpten sich rote Filzmützen mit weißem Bommel an der Spitze über die Köpfe und fingen an sich über die Sufganiot herzumachen. Die Kinder freuten sich mehr über die Schokoladen-Weihnachtsmänner. Man hatte ihnen Papier und Stifte zur Verfügung gestellt und sie malten nette, bunte Glückwünsche. Es gab auch Glühwein und heiße Suppe. Babys auf den Armen ihrer Mütter wurden bestaunt.

Und dann kam sogar der Weihnachtsmann. Ganz in Rot gekleidet, und mit einer kleinen Glocke bimmelnd machte er seinen Weg durch die Feiernden. Er verteilte kleine Geschenke an alle Kinder. Diese strahlten ihn mit leuchtenden Augen an. Interessanterweise war unser Weihnachtsmann auf diesem Chrisnukkah-Fest weder christlich noch jüdisch.

Sein Sohn ließ ihn nicht aus den Augen. Ich verschaffte mir kurz seine Aufmerksamkeit: „Kennst Du den?“ Fragte ich neugierig und er schaute mich mit einer Mischung aus Mistrauen, Verwunderung und Stolz an. Als sein Stolz endlich überwiegte, nickte er bestimmt und antwortete: „Mein Papa! Das ist mein Papa“, wobei er eifrig mit dem Finger auf sich selbst zeigte. Der Weihnachtsmann ist also der Vater eines kleinen Drusen Jungen aus den Golanhöhen. Das Rätsel ist endlich gelöst. 🙂

Ich wünsche Allen einen guten Rutsch in ein positives Neues Jahr !

Ein Veto von Tapfer im Nirgendwo — Tapfer im Nirgendwo

Kurz vor Weihnachten haben die USA Israel erstmals seit vielen Jahren nicht mit ihrer Vetomacht vor einer kritischen Resolution des UN-Sicherheitsrats bewahrt. Am 23. Dezember 2016, während in Syrien Häuser zerstört und Menschen vernichtet wurden, verurteilten die Vereinten Nstionen Juden, weil sie Häuser bauen. Die Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik, verbunden mit der Forderung nach dem […]

via Ein Veto von Tapfer im Nirgendwo — Tapfer im Nirgendwo

Von Vorne anfangen…

abgebrannt

Ein paar Zahlen zum brennenden Israel: Um die 100 000 Menschen evakuiert.
Etwa 630 Brandstätten verteilt über das ganze Land über 5 Tage. Geschätzte 560 Wohnungen zerstört. Vermutlich 180 Verletzte, davon nur eine Person schwer. Keine Toten.

Das ist schon beachtlich. Die Arbeit, die hier von der Feuerwehr geleistet worden ist, sowie von anderen Hilfskräften, inklusive vor allem Armee und Polizei, finde ich schon bewundernswert. Nicht zuletzt die Bevölkerung selber kann ich nur bestaunen. Die Besonnenheit und Aufmerksamkeit mit der in dieser Ausnahmesituation gehandelt wurde, trug erheblich dazu bei, dass Menschen unversehrt blieben.

2500 Feuerwehrleute haben sich an diesem Kampf gegen die Flammen und den Rauch beteiligt. Aus mindestens 13 Ländern wurden Flugzeuge, Personal und Geräte zur Unterstützung gesendet (Deutschland war übrigens nicht darunter, falls jemand fragen sollte). Auch aus dem palästinensischen Hoheitsgebiet wurden Feuerwehrteams geschickt. Viele weitere Länder hatten ihre Hilfe angeboten. Auch das finde ich bemerkenswert.

Wer nicht so unversehrt bei den zumeist Sabotage Feuern – um nicht das abgelaberte Wort Terror zu benutzen – davongekommen ist, sind Pflanzen und Tiere. Im Jerusalemer Wald sind Angaben von Samstag zufolge 750 Hektar Wald und landwirtschaftliche Gebiete abgebrannt. An die Tiere, denen, wenn nicht das Leben, dann zumindest der Lebensraum und die Überlebensmöglichkeit genommen wurde, will ich gar nicht denken.

Bisher sind etwa 30 verdächtige Brandstifter festgenommen worden. Einige waren während der Tat geschnappt worden, dank Überwachungs-Fluggeräten der Armee. Andere waren auf der Flucht aufgelesen worden, die meisten wohl nach Fahndungen, bei denen oft beduinische Spurenleser mithelfen.

Was geht vor in den Köpfen dieser mutmaßlichen Brandleger vor? Sie sind nicht für alle Brände verantwortlich, schließlich waren die Wetterbedingungen geradezu Feuer ermutigend, aber sie wussten diese Situation auszunutzen. Wofür jedoch? Wer zu Schaden gekommen ist, sind Land und Natur. Wenn diese Menschen sich als Freiheitskämpfer verstehen, was hilft ihnen die Vernichtung von Füchsen und Igeln, von Schildkröten und Schlangen, Hirschen und Stachelschweinen? Was sind Bäume und Büsche daran Schuld, das die politische Lage so oder anders ist? Was haben sie für Einfluss darauf, wer wo herrscht und wie? In der Geschichte haben sich Untergrundkämpfer die Natur zum Freund gemacht und zu ihren Gunsten genutzt. Sie waren sich deren Wert bewusst. Diese aber scheinen nur auf Zerstörung aus zu sein. Stört es sie, dass die Wälder in Israel zum größten Teil von den jüdischen Pionieren angepflanzt worden waren?

Man sollte meinen, dass Rebellen wissen, wofür sie kämpfen. Diese aber scheinen hauptsächlich GEGEN zu kämpfen und das mit allen Mitteln, überall und ohne Plan und Würde. Einfach drauf los, zerstören, ob es nun Sinn macht oder nicht. Genug, dass Israelis in Gefahr gebracht werden – ob dabei die eigene Umwelt draufgeht, scheint irrelevant. Wenn Chaos geschaffen wird, dann tanzen schon einige vor Freude im Kreise, auch wenn dadurch nichts, aber auch absolut gar nichts erreicht wurde, wovon irgendjemand profitieren könnte. So ist der Terror. Er bringt niemandem etwas, weder kurzfristig, noch auf lange Zeit. Es geht nicht darum einen funkionierenden palästinensischen Staat aufzubauen – dafür gäbe es unendliche Wege und genauso viel Unterstützung – es geht nur darum zu vernichten. Diesmal wurde Natur vernichtet, oft sind es unbeteiligte Menschenleben, immer ist es Vertrauen und Hoffnung, Verständnis, Respekt, guter Wille, Loyalität. Immer sind gute Menschen da, die das mühselig wiederaufzubauen versuchen.

 

Auch das Neupflanzen der Bäume wird wieder geschehen. Falls jemand einen Baum spenden möchte um zu helfen, hier ein paar Adressen:

http://kkl-jnf4u.kkl.org.il/haklek_veta/e_yaar.aspx?lang=en

http://www.kkl-jnf.org/donate-and-make-a-difference/

https://www.treesfortheholyland.com/

Advent, Advent, Israel brennt

Als ich den folgenden Artikel lass war ich auf dem Weg zur Arbeit. Es war vor zwei Tagen. Ich entschied ihn auf meinem Blog zu teilen, sobald ich die Zeit dazu fände ein paar Worte zu schrieben. Seitdem klingt das, was dort steht fast harmlos.
Die gesamten zwei Tage haben wir damit verbracht uns auf dem Laufenden zu halten, wo gerade der nächste Brand ausgebrochen ist und wohin sie sich ausgebreitet haben. In Haifa sind etwa 75 tausend Einwohner evakuiert worden, auch in etlichen anderen Orten mussten Menschen ihre Häuser verlassen. Viele kehrten zu ausgebrannten Wohnungen zurück, andere haben keine Wohnung mehr, zu der sie zurückkehren könnten. Inzwischen haben viele Länder Löschflugzeuge zur Unterstützung geschickt.
Gestern Abend wurde eine nahe Anfahrtsstraße nach Har Adar zeitweise gesperrt. In der nahen Ortschaft Nataf brannten einige Häuser ab. Am Abend rochen wir den Rauch in der Luft und gingen etwas unruhig schlafen. Auch wir sind in den letzten Jahren von Brandstiftungen betroffen gewesen. Dazu hatte ich hier schon einmal etwas geschrieben.
Es ist nichts Neues. Das Problem im Moment ist, dass es noch nicht geregnet hat und alles super trocken ist. Dazu kommt die extrem niedrige Luftfeuchtigkeit im Moment und starke Winde. Bis Mitte nächster Woche soll das noch so weiter gehen.

Ich, die Siedlerin | Eine jüdische Stimme aus Judäa

UPDATE:

Weitere Waldbrände in verschiedenen Landteilen, weitere Ortschaften bedroht, die meisten davon jüdisch. Die Polizei spricht offen von Brandstiftung. Das Feuer aus dem Waldstück bei Dolev (Binyamin) breitete sich bis zum Nachbardorf Talmon aus und verursachte einen Großbrand. Das Internet-Kurznachrichtenportal 0404 berichtete über palästinensisch-arabische Brandstifter, die beim Zündeln nahe der Siedlung Beit El beobachtet wurden. Sicherheitskräfte wurden zum Ort gerufen und sollen mehrere Brandlegungen erkannt haben. Ob die Täter festgenommen wurden, ist unbekannt.

Auch der Vorsitzende der Regionalverwaltung von Samaria, Yossi Dagan, lud vom Brand betroffene Familien in Gasthäuser und provisorische Notunterkünfte im Samaria-Gebiet ein, die für Ausnahmezustände größeren Ausmaße mit der Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz der IDF errichtet worden waren.

Video des Feuerwehreinsatzes bei Talmon, Binyamin (0404)


(Also wohl doch keine Schreibpause… Die Nachrichten lassen einen nicht ruhen…!)

In Israel wüten Waldbrände. Kreuz durchs Landeszentrum bis in den Norden brennen Bäume, das Feuer breitet sich durch starken Wind über…

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Von gealterten kleinen Prinzen und Dirigentinnen

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Lobgesang

Musik ist gut für die Seele, am besten live. Je mehr, desto besser.
Letzten Monat ließ ich mich von einem Konzert mit Chor und Orchester verwöhnen. In der Henry Crown Halle des Jerusalem Theaters war der Stuttgarter Chor Laudamus Te beim Jerusalemer Oratorio Chor zu Gast. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester gaben Sie Mendelsohn zum Besten, den 42. Psalm und Symphonie Nr. 2 „Lobgesang“. Es müssen insgesamt wohl etwa 150 Sänger gewesen sein, die sich auf der Bühne hinter dem Orchester drängten. Die Darbietung war davon nicht beeinträchtigt. Wer dem Konzert in der Liveübertragung im Radio folgte, dem war das natürlich sowieso egal. Ich saß in der dritten Reihe und hatte das Privileg von dort aus die Violinistinnen und Dirigentinnen aus erster Nähe zu beobachten.

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Meine Mamas Lieblingsboutique

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Die Läden meiner Kindheit – Dieses reizende Erzählprojekt im Teestübchen Trithemius ist voll mit wunderbarer Alltags-Nostalgie. Ich wünschte, ich könnte da mitreden, habe aber leider so gut wie gar keine solche Kindheitserinnerung. Als Berliner Stadtkind gingen wir zu Bolle nebenan und damit hatte sich die Sache. Kleidung kauften wir bei C&A, Schuhe am liebsten bei Salamander, denn da gab’s den Lurchi …. außerdem zogen wir sowieso alle paar Jahre in eine andere Gegend und lebten nie irgendwo lange genug, als dass in mir Nostalgie aufkommen könnt. 

Über die einzige Erinnerung, die sich bei mir über längere Zeit einprägte, habe ich letztes Jahr schon einmal geschrieben, denn sie wurde an einem unerwarteten Ort wieder lebendig. Ich habe es für dieses Projekt noch einmal ein wenig umgeschrieben und aktualisiert:

Meine Mamas Lieblingsboutique

Stoffe der Blusen und Schals streifen mir sanft über meine Schultern und mit den bloßen Händen erwidere ich  zögernd ihre neugierigen Berührungen. Ich darf hier nicht alles anfassen. Diese Sachen gehören mir nicht. Und was einem nicht gehört, darf man nicht ohne zu fragen anfassen. Außerdem könnten die edlen Kleider in dieser exklusiven Boutique schmutzig oder kraus werden vom vielen Anfassen.

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Die weiße Wäsche der Nachbarn

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Nach einigen Telefonaten hatten wir den Namen und die Nummer einer Schneiderin aus dem arabischen Nachbardorf Abu Gosch. Diese wiederum verwies uns auf eine andere, die in Jerusalem arbeitet und erst gegen drei Uhr zurück kommen würde. Sie würde jedoch die Arbeit für uns erledigen können. Es ist nicht so einfach über die Feiertage dringende Sachen zu erledigen. Eine Woche nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschanah, welches zwei Tage dauert, folgt Yom Kippur und vier Tage danach das Laubhüttenfest Sukkot. Dieses dauert eine ganze Woche, mit einem arbeitsfreien Tag am Anfang und einem am Ende. Ämter und andere staatliche Einrichtungen sind die ganze Woche geschlossen. Viele Geschäfte arbeiten nur einen halben Tag. Und dann gibt es zwischendurch natürlich noch die Wochenenden.

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