Der Tag an dem Zubin Mehta uns sein Herz schenkte

Am 20. Oktober dirigierte Zubin Mehta sein letztes Konzert mit dem israelischen philharmonischen Orchester, bevor er dessen Leitung and den sehr jungen, israelischen Dirigenten Lahav Shani abgab. In der „Times of Israel“ fand ich diesen Artikel, den ich so ergreifend fand, dass ich ihn übersetzt habe.

Original Artikel von Noah Efron in der Times of Israel vom 24.10.2019

Der Tag an dem Zubin Mehta uns sein Herz schenkte

Wie kann Israel je den in Indien geborenen Maestro rückvergüten, der gekommen war, um ein kriegsgeschocktes Land zu ermutigen und ein halbes Jahrhundert geblieben ist?

Am 14 Mai, 1967, auf den Tag genau 19 Jahre nachdem Ben Gurion die Gründung des Staates Israel ausgerufen hatte, befahl der ägyptische Präsident Gamal Abdul Nasser Hussein seinen Soldaten sich im Sinai an der israelischen Grenze erneut zu stationieren. Fünf Tage danach, am 19. Mai, forderte er die sofortige Evakuierung der UN Friedenstruppen aus der Sinai-Halbinsel und drei Tage später, am 22. Mai verschwanden die 4.000 Soldaten der UN Kräfte. Am folgenden Tag, 23. Mai, blockierte Präsident Nasser die Wasserstraße von Tiran zwischen dem Sinai und Saudi-Arabien und schnitt so den Schiffsverkehr aller Schiffe ab, die auf ihrem Weg von oder zum südlichen Hafen Israels, Eilat waren, wo 90% des israelischen Öls verschifft wurde. Ägypten unterzeichnete ein militärisches Notfallabkommen mit Jordanien, Irak, Algerien, Saudi-Arabien, Sudan, Tunesien, Libyen und Marokko (ein Bündnis mit Syrien war bereits in Kraft). Am 26. Mai erklärte er, dass sein geplanter Krieg “eine allseitige Schlacht“ sei und „das Hauptziel die Zerstörung Israels“ sei. Der PLO Vorsitzende Ahmed Shuqayri kündigte an, dass Israel nun bald zerstört würde und fügte hinzu, dass für die Überlebenden – sollte es welche geben – Boote bereitstünden, um sie zu deportieren. 

In Israel herrschte Angst. In seiner Überzeugung Krieg sei unausweichlich, suchte der IDF Oberkommandierende Yitzhak Rabin Rat bei David Ben-Gurion, der sich bereits in seinem vierten Jahr des Ruhestands befand und in Kibbutz Sde Boker lebte. Ben-Gurion warnte, Krieg würde zu einer Katastrophe führen und Zehntausende von Israelis würden zu Tode kommen. Völlig aufgelöst lud Rabin seinen Stellvertreter Eser Weizmann zu sich nach Hause, um ihm von seiner Absicht zu resignieren in Kenntnis zu setzen. Weizmann entgegnete, ein Rücktritt würde öffentliche Panik auslösen; es war unmöglich. Rabin legte sich ins Bett und es verging ein ganzer Tag, bevor man ihn wieder dazu brachte seine Uniform anzulegen. Am 28. Mai wandte sich Ministerpräsident Levi Eschkol über Radio an das Volk. Es gab in Israel noch kein Fernsehen. Sein Ziel war es, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Als er jedoch über den Text stolperte, kamen viele zu dem Schluss, dass die Gefahr, in dem sich das Land befand, in der Tat ernster war, als es die Worte ausdrückten, die Eschkol nicht ohne Stocken, Zittern und Zögern herausbekam.

Am Tag nach Eschkols vermasselter Radioansprache, am 29. Mai traf ein Telegramm für Zvi Hefter, dem Manager des israelischen philharmonischen Orchesters, ein. Es kam aus Puerto Rico von einem 31-jährigen Wunderkind – dem indischen Dirigenten Zubin Mehta. Darin stand, Mehta sei bereit, alle seine Auftritte und sonstige Verpflichtungen weltweit abzusagen und sofort nach Israel zu fliegen.

Mehta war schon seit 1961 jedes Jahr nach Tel Aviv gekommen, um das israelische philharmonische Orchester zu dirigieren. Er war damals 25 und bereits Dirigent und musikalischer Direktor des symphonischen Orchesters von Montreal und der Philharmonie von Los Angeles. Am 5. Juni, dem Tag, an dem der Krieg ausbrach, machte sich Mehta von Puerto Rico auf den Weg mit den Worten: „In dieser schwierigen Stunde für Israel ist mein Platz mit Euch. Ich stehe Euch voll und ganz zu Diensten.“

Es war der 7. Juni als er endlich ankam und Journalisten am Flughafen in Lod erklärte: “Ich habe zwei Tage lang in Rom auf ein Flugzeug gewartet, das mich nach Israel bringt und jetzt bin ich gekommen, um mit Euch zu sein.“

Gerade als Mehta ankam, eroberten sechzig Kilometer entfernt Fallschirmspringer die Altstadt von Jerusalem. Mehta schlug vor, ein Triumphkonzert im Amphitheater des neu eroberten Skopus Bergs für die Soldaten zu spielen, die soeben Jerusalem wiedervereinigt hatten. Es sollte die Siegessymphonie von Beethoven – seine 5. Symphonie sein. Hefter rief den Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek an und Vorbereitungen wurden eingeleitet. 

Eineinhalb Monate später, am 21. Juli 1967 war Zubin Mehta noch immer hier [in Israel]. Diesmal dirigierte er Verdis Requiem vor Tausenden in der Basilika von Bethlehem. Die Musik war mal erhaben, mal traurig, mal reuevoll und immer beeindruckend. Ein Journalist schrieb: „Bethlehem sah zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Vorstellung, die so spektakulär war, dass sie alle Anzeichen eines historischen Ereignisses enthielt: Israelis und Araber hören gemeinsam [Musik] als Ausdruck von Solidarität und Transzendenz in diesem Land, das Kriege und Hass gekannt hat. “

In einer Botschaft des Premierministers, die der in Syrien geborene Moshe Sasson auf Hebräisch las, und die von ihm ins Arabische übersetzt worden war, hieß es: „Die Sprache der Musik spricht jeden Menschen an, ungeachtet seines Glaubens und vereinigt alle Menschen der Erde. Die Klänge der Musik bringen den Segen der Kultur von einer Nation zur anderen und man kann hoffen, dass aus Bethlehem musikalische Wellen in die ganze Welt ausstrahlen werden.“

Sasson, der die Nachricht des Ministerpräsidenten gelesen und übersetzt hatte, sollte bald von Eshkol als erster Gesandter ins Westjordanland ausgewählt werden und wurde später Israels erster Botschaft nach Ägypten. 

Bethlehems Bürgermeister, Elias Bendak, unter dessen Schirmherrschaft das Konzert stattfand, war in seiner Jugend eine Zeit lang Herausgeber einer zweiwöchentlich erscheinenden christlich-arabischen Zeitung namens „Sowt Es-Sha’ab“ gewesen. Diese war unter seiner Führung im Zweiten Weltkrieg ein Organ der NS-Propaganda im Nahen Osten. Nun lobte derselbe Bendak Mehtas Auswahl eines Requiems für diesen heiligen Ort. Dieses Ereignis, sagte er, zeige die Verknüpfungen, die die verschiedenen Nationen binden, und biete Hoffnung auf Frieden.

Der Journalist fügte hinzu, dass das Konzert verzögert wurde durch den Aufruf zum Gebet des Muazins, einem weiteren ökumenischen Ton an diesem Abend in Bethlehem.

Hiernach nahm Zubin Mehta die israelische Philharmonie um die Welt und sie spielten vor ausverkauften Konzerthallen. Für eine Weile brachte er das Skopus-Berg Konzert an Orte wie Toronto und Philadelphia, wo hauptsächlich jüdisches Publikum Israels jüngste heroische Geschichte durch Beethovens Musik erleben konnte. Ein Jahr nach dem Krieg, auf einem Sommerkonzert in 1968 in Wien, brach Mehta das Protokoll, indem er das Orchester spontan anpeitschte Ha-Tikvah zu spielen, währen das österreichische Publikum stand, einige weinend. 

Dreißig Jahre waren seit dem „Anschluss“ vergangen. Männer, die als Teenager in die NS-Armee eingezogen worden waren, waren in 1968 gerade mal 50 Jahre alt, hatten Familien und Jobs. Sie waren auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte. Man kann sich nur vorstellen, was einem solchen Mann durch den Kopf gegangen sein mag, als er einen 32-Jährigen aus Mumbai beobachtete, wie er ein Orchester mit vielen Holocaust-Überlebenden dirigierte, und die Nationalhymne eines souveränen jüdischen Staates spielte.

Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde Mehta zum musikalischen Berater der israelischen Philharmonie ernannt und zehn Jahre später, 1977, wurde er der erste Musikdirektor des Orchesters. 1981 wurde er zum Musikdirektor auf Lebenszeit ernannt.

Das Leben ist lang, wenn wir Glück haben. Trotz der Benennung auf Lebenszeit dirigierte Mehta diese Woche sein letztes Konzert mit dem israelischen philharmonischen Orchester: Liszts Klavierkonzert Nr. 2 und Mahlers Symphonie Nr. 2. Es war die letzte von mehr als 3.000 Aufführungen. Mehta verbrachte jeweils ein Viertel eines jeden der letzten 50 Jahre hier.

In der Pause seiner letzten Show sagte Mehta mit einer Anmut, die mir nach 58 Jahren vertraut ist: „Von meinem Herzen: was dieses Orchester mir gegeben hat – nicht nur dieses, sondern alle Generationen vor ihnen …. Ich kann gar nicht beginnen zu beschreiben, was ich mit diesen Musikern gelernt habe. “

Natürlich könnte niemand alles zurückzahlen, was Sie uns über Jahrzehnte gegeben haben. Aber ich kann sagen, Zubin Mehta, dass mein größter Wunsch heute ist, dass wir das Volk, die Kultur und das Land werden, von dem Sie immer gewusst haben, dass wir es sind.

Religion an der Kasse

Freitag Mittag an der Kasse im Supermarkt. Endlich ist der Warenhaufen des Herrn vor uns durch die Kasse gepiepst und gezahlt. Wir sind an der Reihe. Nuun steht auf der anderen Seite bereit unsere Öko-Taschen mit Einkäufen zu füllen, sobald die Kassiererin sie eingescannt hat.

„Gib das Mal durch“ sagt sie und zeigt mit dem Finger flüchtig auf die ersten unserer Waren auf dem Laufband. Ich schaue sie verständnislos an. Vielleicht habe ich nicht richtig gehört. „Bitte?“ Erwidere ich. „Gib das durch“ sagt sie tonlos und deutet mit dem Finger auf den vorderen Teil unserer Einkaufswaren. Dort steht unter anderem ein Sechserpack Bier.

Verwirrt schaue ich die junge Verkäuferin an. Was will sie von mir? Soll ich die Waren selber einscannen? Ich bitte sie freundlich zu wiederholen, da ich nicht verstanden habe. „Gib das durch“ sagt sie zum dritten Mal als wäre es vollkommen selbstverständlich, ohne zu erklären oder das Wort „bitte“ auch nur anzudeuten.

Sie spricht mit einem starken Akzent, da sie aus einem der umliegenden arabischen Dörfer, oder vielleicht einem.arabischen Stadtteil Jerusalems ist. Im Supermarkt von Mevasseret Zion sind fast alle Angestellte arabische Israelis oder Palästinenser oder wie sie sich selbst auch immer bezeichnen.

Der Inhaber, ein jüdisch israelischer Entrepreneur hat, nach großem geschäftlichen Erfolg in Jerusalem, jetzt in der näheren Umgebung Supermärkte aufgebaut. In diesen Randgebieten bietet er Arbeitsplätze und günstige Einkaufsmöglichkeiten für Israelis und Palästinenser, Juden und Muslime. Und das ist eins seiner Ziele.

Schließlich kommt Nuun, der mit Muslimen täglich arbeitet zu Hilfe und erklärt. Als Muslimin sei es ihr verboten Alkohol anzufassen, deshalb solle ich das Bier an der Kasse durchpiepsen. Das ist mir noch nicht passiert.

Ich komme mir blöd vor, als wäre ich zu dumm, so etwas allein zu verstehen und als würde ich Ihren Glauben nicht respektieren. Umständlich scanne ich das Sechserpack ein, während die muslimische Kassiererin etwas angeekelt zuschaut. War das ignorant von mir, dass ich da nicht selber drauf gekommen bin?

Aber warum bin ich es, die sich wie ein Idiot fühlt, nur weil ich die idiotischen Regeln einer Religion nicht kenne? Wer kann denn den vielen verrückten Verboten noch folgen, die die verschiedenen Religionen ihren Folgern vorgeschrieben haben?

Regeln, die sich jeder Logik entziehen, Regeln, die das natürliche menschliche Handeln bis zur Unmenschlichkeit verdrehen, so dass sie niemand mit einem gesunden Menschenverstand erraten kann.

Verbote, die Menschen sich abgrenzen lassen und Intoleranz lehren. Und am Ende bin ich – die Tolerante – diejenige, die sich ihrer scheinbaren Ignoranz schämt. Das ist absurd.

Um Jerusalem braut sich ‘was zusammen

Wie ein paar Israelis ihre Leidenschaft zum Bier in Deutschland entdeckten und was in Israel ein Biergarten ist, lernte ich an einem sonnigen Wochenende im Mai.

Was tut man an einem sonnigen Sbabbath in den Jerusalemer Bergen? Samstagsspazieren auf israelisch. Diesmal unternahmen wir die Spazierfahrt zu zweit ohne ein genaues Ziel. 

Wir führen einfach los und suchten uns ein schönes Fleckchen, um unseren Bunsenbrenner-Kaffee zu schlürfen und den Blick über die Berge zu genießen. Ein bisschen laufen, wieder auf’s Motorrad und das nächste nette Fleckchen zum Anhalten ausfindig machen. 

Es war ein wunderschöner Tag, nicht zu heiß und noch war die Landschaft mit Frühlingsblüte geschmückt. 

Und plötzlich war es Mittagszeit und wir bekamen Hunger. Wo findet man an einem Samstagmittag in den Jerusalemer Bergen ein Restaurant? Google Maps weiß es. Tatsächlich hatte die App uns einiges vorzuschlagen. Zu unserem Erstaunen war auch ein Biergarten darunter.

Ein Garten, in dem man Bier trinkt oder ein Biergarten?

Wir kennen natürlich die bayrische Original Variante eines Biergartens, aber was würde uns hier erwarten? Was sich in Tel Aviv Biergarten nennt, sind Restaurants, die auf Bier spezialisiert sind und einfaches Essen servieren, also eher erweiterte Edelkneipen. Nur dass man eben draußen sitzt. 

Der Biergarten in Srigim Li-On, eine ehemalige Moshav etwa 40 km südlich von Jerusalem ist dem Deutschen Modell ein wenig näher. Ich würde sagen, ein Mini Biergarten ohne Weißwurst. Das besondere daran ist jedoch, dass es dort selbst gebrautes Bier gibt und das sogar schmeckt.

biergarten Srigim 2

Die kleine Brauerei ist eine von vielen, die Anfang der 2010er Jahren um Jerusalem gegründet wurden. Es war, als entdeckten die Israelis plötzlich ihre Leidenschaft für Bier. Wie die Mentalität nun einmal ist, wurde diese sofort in die Tat umgesetzt. Yes, we can!

Von Hi-Tech zum Bierbrauen

Wir setzten uns auf die Holzbänke im Biergarten und holten uns Bratwurst mit Kartoffelsalat. Neben uns sassen zwei junge Burschen und spielten Schesch-Besch (Backgammon), die am Eingang für jeden bereitlagen. Man hat Biere von zwei Marken zur Auswahl: Ronen und Emek HaElla. Jede Marke bietet verschiedene Biersorten an. Während Ronen eher nach amerikanischen Geschmacksrichtungen ausgerichtet ist, hat sich Emek HaElla auf den europäischen Stil spezialisiert. Auch ein bayrisches Weizen kann man dort schlürfen.

Bayrisches Weizen Emek HaElla

Ohad Eilon und Ofer Ronen sind die Gründer der beiden Brauereien in Srigim. Beide sind Ex Hi-Tech Leute, die in ihrer Karriere viel in der Welt herum gekommen sind und ihre Leidenschaft für Bier in Deutschland entdeckt haben.

Diese Leidenschaft haben beide zum Hobby gemacht und zum Professionalismus getrieben. Ich weiß nicht, welches der Biere wir getrunken haben, aber sie haben geschmeckt. Die leeren Gläser stellt man selber in einen Behälter neben der Bestelltheke.

Bier aus der häuslichen Küche

Außer der Brauerei in Srigim gibt es in der Gegend noch einige, die sich einen Namen gemacht haben. Am bekanntesten ist wohl Shapiro- Bier. Man kann deren helles oder dunkles Ale in vielen Bars und Restaurants erhalten.

Die Geschichte der Shapiro-Brauerei ist die Geschichte von zwei Brüdern und einem Bier, die sich in Jerusalem abspielt. Sie beginnt in einer privaten Küche mit Plastikbehältern und improvisierten Schläuchen und führt zu einer gut ausgestatteten Brauerei mit modernsten Geräten und Anlagen.

Auf dem Weg dorthin haben die Brüder einige Medaillen in Wettbewerben für Hausbrauereien gewonnen, sich in den USA zu Experten ausbilden lassen und das alles mit sehr viel Leidenschaft.

Bierkonkurenz
Shapiro Bier (2)

Heute befindet sich die Brauerei im Industriegebiet von Beth-Shemesh. Außer sich mit Bier zu beschäftigen sind die Gründer stark in Gemeindearbeit engagiert. Sie unterstützen Stiftungen wie Alyn und Shekel (beide für behinderte Kinder) und sponsern einen regionalen Fußballclub. Bier und Fußball vertragen sich auch in Israel gut.

In Jerusalem bietet Shapiro den altbekannten israelischen Bieren Goldstar und Maccabi Konkurrenz. Wo’s sie gibt, trinke ich das Pale Ale und Nuun das Oatmeal Stout von Shapiro.

Was hätte Herzl zu diesem Bier gesagt?

Die wohl „israelischste‘ Geschichte ist jedoch die von Herzl Bier, der einziegen Brauerei,die in Jerusalem begonnen hat und sich noch in Jerusalem befindet. Sie ist außerdem die wahrscheinlich kleinste Brauerei, die kommerziell Bier macht.

Herzl Bier

Zwischen Autowerkstätten und Läden für Baumaterialien, im etwas schmuddeligen jerusalemer Gewerbegebiet Talpiot findet man die unscheinbare Herzl Beer Factory. Dort kann man sich ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen und es im Vorzimmer genießen.

Die kleine Brauerei öffnete in 2013, als sich zwei Hobby-Brauer zusammenschlossen, um aus dem Spass Ernst werden zu lassen. Maor und Itai sind beide in Jerusalem geboren und wuchsen in die kleine, aber feine kulinarische Szene der Stadt hinein.

Die scottish Connection

Maor hatte gleich nach seinem Armeedienst zu Hause angefangen, Bier zu brauen, einfach weil ihm das Biertrinken in Israel zu teuer geworden war. Die Alkoholsteuern hatten die Preise in Bars so hochgetrieben, dass sogar Bier und Arak zum Luxus geworden waren. 

Es gelang ihm so gut, dass er entschied, in echten Bierländern zu lernen. Unter anderem verschlug es ihn ins abgelegene Schottland in eine kleine, junge Brauerei, die sich „revolutionär“ auf die Flagge geschrieben und „Punk“ auf’s Etikett gedruckt haben. Erst als er nach einigen Monaten Arbeit dort wieder den Heimweg antrat, fand Maor zufällig heraus, dass er nicht der erste Israeli war, der sich hier zum Beer-Punk hatte machen lassen.

Wieder in Jerusalem angekommen, traf er Itai dann persönlich. Es stellte sich heraus, dass die beiden Ex-Schulkameraden waren und sich aus der Jerusalemer Alkohol-Branche schon kannten. Israel ist in vieler Hinsicht wie ein Dorf. Irgendwie trifft man in flexiblen Zeitintervallen immer wieder dieselben Leute. Die Basis für Herzl Beer Factory, nach Brewdog Muster war gelegt. 

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Dies sind nur eine Handvoll der Brauereien, die nach der Erhebung der Alkoholsteuern von irgendwelchen Träumern gegründet worden waren. Für mich zeigt sich wieder einmal der Einfallsreichtum und der Tatfreudigkeit der israelischen Mentalität: Israelis verzichten nicht auf etwas, was sie mögen, nur weil es zu teuer geworden ist – sie machen es selber! Auch wenn es bedeutet um die Welt zu reisen, um es zu lernen. Hürden sind nur dazu da, es interessanter zu machen.

Liebesgeschichte Israel. Heute im Spiegel

Die Geschichten der Deutschen in Israel sind sich sehr ähnlich – und sie unterscheiden sich auch nicht sehr von denen, die aus der Ukraine, aus Holland, aus Australien usw. gekommen sind.

Warum wir uns in dieses Land – und nicht nur in einen Mann oder eine Frau – verliebt haben, wissen wir nicht. Aber wer weiss schon, warum sie/er sich verliebt? Wichtig ist, dass wir nicht enttäuscht wurden. Und das einzige, was wir wirklich vermissen, ist Mamas Küche.

https://www.spiegel.de/karriere/ausgewandert-wie-eine-deutsche-als-juedin-in-israel-lebt-a-1272243.html

Schlagzeilen

Fast eine Stunde im Bus sind genug Zeit morgens eine gesamte Zeitung durchzulesen. Zwei Schlagzeilen der Wochenendzeitung sprangen mir heute Morgen ins Auge:
Israel to ally with Arab neighbours around Red Sea in bid to save world’s corals”. („Israel verbündet sich mit arabischen Nachbarn am Roten Meer, um die Korallen der Welt zu retten“)

Gefolgt war diese von einer anderen Schlagzeile über Forschungsarbeiten, die ich aber nicht gleich verstand. In diesem Fall handelte es sich um Archäologie. Klar war mir nur, dass dieser Artikel nicht von Zusammenarbeit erzählte, sondern eher dem Gegenteil davon.

Diese beiden Artikel zu lesen bietet ein anschauliches Bild von den Vorgängen die sich abseits und im Schatten der von Religion gefärbten Politik abspielen.

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Science in the shadows

Two headlines caught my attention this morning at the beginning of what promises to be a totally routine week after the wonderful, long weekend of Shavuot holiday.

Israel to ally with Arab neighbours around Red Sea in bid to save world’s corals“ Was one headline.

The second one, I did not fully understand. Clear was only, that the article was also about science, in this case, archaeology. However, this one did not talk about cooperation, but rather the opposite.

Reading the two pieces draws a fascinating picture of what is going on aside from – but always in the shadow of religiously infected politics.

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