Drei Impressionen während des Ramadans um Jerusalem – Teil 1 Gastfreundschaft

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Freitagabend ist für die Familie reserviert. Alle treffen sich bei der Oma und essen ein gemeinsames Mahl. An einem Freitag im Juni erschien ein Überraschungsgast. Bevor wir uns an den Tisch setzten kam einer der Arbeiter meines Lebenspartners zu Besuch. Ich nenne ihn hier einfach Ismail. Er arbeitet schon weit vielen Jahren für Nun (so kürze ich hier liebevoll den Namen meines Partners ab) und kennt die Familie. In der Hand hielt er einen großen Teller mit Kataief – süße, mit Käse gefüllte Teigtaschen, die seine Frau zubereitet hatte. Sie sorgten für einige Aufregung, da sie wirklich lecker waren. Bevor er sich wieder verabschiedete lud er Nun und natürlich auch mich für Sonntagabend ein. Der Ramadan hatte gerade begonnen und jeden Abend gab es bei ihnen ein großes Essen. Aus Höflichkeit sagte ich nicht nein, aber im Stillen überlegte ich mir schon, wie ich mich dem wohl wieder entziehen könne.

Ich bin wenige Male bei Arabischen Familien eingeladen gewesen. Es war langweilig, da die Frauen in der Küche geblieben waren. Da saß ich dann und fühlte mich schlichtweg fehl am Platz, denn die Männer unterhielten sich über Themen, bei denen ich nicht mitreden konnte und dazu noch zur Hälfte in Arabisch.

Warum ich am Ende doch mitging weiß ich nicht genau. Vielleicht weil meine Neugierde größer war als mein Unmut, vielleicht weil ich denke, dass ich immer noch eine voreingenommene Meinung über diese Leute habe, ohne wirklich zu wissen wovon ich rede.

Wir fuhren quer durch Jerusalem bis zum süd-östlichen Rand der Stadt, bogen nach einem Kreisel rechts ab und dort wurden die Straßen merklich enger und hatten keine Bürgersteige mehr. Es ging steil herunter und scharf um die Kurven und alles sah ein wenig schmuddeliger und etwas vernachlässigt aus. Hier sind keine Mehrfamilienhäuser, die Häuser stehen dicht und planlos aneinander gebaut. Kein Haus gleicht dem anderen, Gärten gibt es gar nicht, nur Höfe mit großen Toren davor und viele Mauern. Die Häuser und Höfe sind für Ramadan geschmückt, zumeist mit bunten Lichtergirlanden und anderem funkelnden Leuchtdekor. Jabel Mukaber ist ein typisches arabisch-israelisches Dorf, deren Einwohner in Israel arbeiten und zum großen Teil israelische Staatsbürger sind. Trotzdem war ich unruhig. Aus diesem Ort stammen auch viele der Attentäter des letzten Jahres. Zum Beispiel der mörderische Anschlag während des Morgengebets in einer Jerusalemer Synagoge wurde von Bewohnern dieses Ortes ausgeführt.

Ismail stand auf der Straße und wies uns in einen relativ großen Hof, der mit Autos und allerlei Geräten voll stand. Es ist das Grundstück seines Vaters und dessen Haus ist das Erste auf der linken Seite des Hofs. Dahinter befinden sich das Haus seines älteren Bruders, rechts das Haus von Ismail und daneben das Haus eines weiteren Bruders.

An der Eingangstür kamen uns seine Kinder sofort lächelnd und kichernd entgegen. Sie lächelten aus Höflichkeit und kicherten aus Verlegenheit. Auch Ismails Frau, deren Namen ich bis jetzt noch nicht weiß streckte mir etwas verlegen aber offenherzig die Hand entgegen. Sie waren nicht schüchtern, aber sie sprechen kein Hebräisch und es ist wohl eher eine Seltenheit, dass eine blonde israelische Frau zu Besuch kommt. Die Frau und ihre Töchter tragen Kopfbedeckungen. Es sind bunte Gewänder und die Mädchen tragen darunter Jeans, eine Tochter hat künstliche Fingernägel. Sie sahen alle sehr gepflegt aus. Ebenso die Wohnung. Sie war hell, großräumig und modern eingerichtet

Im Esszimmer war ein langer Tisch festlich gedeckt. Man setzte Nun an das eine Kopfende und für mich war ein Platz am gegenüberliegenden Kopfende vorgesehen. Mit viel Gelächter und Geplauder setzte sich die Familie um den Tisch. Die älteste Tochter, die einzige, die mich in Hebräisch begrüßt hatte nahm neben mir Platz. Die Mutter fing an meinen Teller zu belegen, während die älteste Tochter übersetzte und erklärte, was es zu essen und zu trinken gab. Es war reichlich und appetitanregend. Ganz neu für mich war der Johannisbrot-saft. Ich wusste nicht, dass man von dieser trocknen, harten Frucht Saft gewinnen kann. Es war wohl eher eine Art Sirup, sehr stark verdünnt und mit viel Zucker. Auf meinem Teller hob sich ein Berg von Reis mit vielem Gemüse und Kräutern, oben drauf langsam gekochtes Huhn. Wie sollte ich das alles essen? Wann durfte ich anfangen „nein danke“ zu sagen, ohne unhöflich zu sein? Es wurde interessant.

Fortsetzung folgt…..

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