Ein anderer Alltag

Mein eigener Alltag in Israel ist friedlich und wahrscheinlich nicht viel anders als ein Alltag in Deutschland. Eine Autostunde weiter südlich haben die Menschen Sorgen, die weder Du noch ich kennen. Eine Art von Sorgen, die sich wohl niemand, nicht einmal die Menschen, die im Süden Israels selber leben, vorstellen können. Eine Bedrohung, die unter der Erde wächst, ungesehen und unberechenbar. Niemand weiß wirklich, was dort passiert und wo das alles hinführt.

Die Zeitung Die Welt hat das in diesem Artikel ‚Israels Angst vor dem Terror aus dem Tunnel‘ zu erfassen versucht.

Um der Sache ein wenig Proportion zu verleihen: Im Sommer 2014 wurden 30 solcher Tunnel von der IDF aufgefunden. Die Länge der Grenze zwischen Gaza und Israel beträgt 52 km. Das bedeutet einen Tunnel alle 1,73 km. Der Bau eines Tunnels kostet die Hamas ca. 3 Millionen US$. Diese 30 Tunnel kosteten demnach 90 Millionen US$ (knapp 80 Mio. €). Geld, was für Schulen, Krankenhäuser, Fabriken, Wohnhäuser hätte eingesetzt werden können. (Quelle)

Und noch etwas: Tunnel werden auch nach Ägypten gegraben, wo sie zum Schmuggeln genutzt werden; Ein Weg Waffen und Munition nach Gaza zu transportieren. Die Ägypter jedoch gehen mit dem Problem wesentlich skrupelloser um, als die Israelis. Sie haben die Tunnel schon mehrfach mit Meerwasser geflutet, was zu deren Einsturz geführt hat.

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9 Gedanken zu “Ein anderer Alltag

  1. Das alles ist wirklich unvorstellbar. Aber wie schrieb ich heute, einen anderen Beitrag zitierend …. gestorben wird woanders. Und so wird über SOWAS, also solche Tunnel, vermutlich auch trefflich argumentiert in so manchen Diskussionsrunden, aus dem bequemen Sessel heraus.

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      1. Meine Meinung: Egal um welches Geld es sich handelt, und in welchem Zusammenhang. In dem Moment, in dem Menschen dadurch sterben, ist es in jedem Fall schmutziges Geld. Wenn bewusst Menschenleben in Kauf genommen werden, dann ist es für mich Mord. Einen „guten“ Mord gibt es nicht.

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      2. Ja, das ist außer Frage. Aber anderer Leute (oder anderer Staaten) Gelder kann man halt nicht kontrollieren und es wird immer solche geben, die Mörder finanzieren. Man (Deutschland/EU) kann jedoch aufhören sein eigenes Geld an Mörder zu verteilen. Das wäre ein Anfang.

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  2. Ich möchte niemandem vor den Kopf stossen… aber gestorben wird immer auf beiden Seiten – und gewöhnlich trifft das die einfachen Leute die nicht mehr wollen als ohne Angst leben, ihre Kinder gross ziehen, arbeiten, sich gut fühlen, lachen – leben eben… ganz gleich wo auf der Welt… leider haben wir im Augenblick viel zu viel Vorbilder wie es nicht sein muss…

    Von meinem bequemen Stuhl am Computer…

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    1. Da magst Du wohl Recht haben, aber es geht nicht ums „Sterben“. Es geht um brutalen, kaltbluetigen, hinterlistigen Terror, deren Zielscheibe genau diese friedliebenden, unschuldigen Menschen sind. Es geht darum zu verstehen, dass die Hamas eine Organisation ist, die sich diesen Terror zur Prioritaet, ja zur Ideologie gemacht hat. Die Hamas investiert Millionen in die Entwicklung und den Bau von Mitteln diesen Terror auszufuehren, waehrend sie die eigene Bevoelkerung verkommen laesst und mit der selben Brutalitaet unterdrueckt, die sie gegen Israel richtet. Gegner der Hamas werden grausam gefoltert und oeffentlich hingerichtet, einschliesslich Anhaenger der rivalisierenden Fatah-Partei, die im Westjordanland das Sagen hat. Nicht ein einziger Bunker oder Schutzraum wurde fuer die bedrohte Bevoelkerung in Gaza gebaut. Krankenhaeuser und Schulen werden als Munitionslager genutzt. Um die 100 Hamas Raketen sind im Sommer 2014 in Gaza selber explodiert und haben Opfer gefordert.
      Der Grund, warum der Terror gegen Israel relativ wenig „Erfolg“ hat ist, das Israel sich den Schutz der Bevoelkerung und die Bekaempfung des Terrors zur Prioritaet gemacht hat. Seit vielen Jahren investiert Israel in die Entwicklung von Abwehrmechanismen, wie zum Beispiel dem Iron Dome http://www.israel21c.org/15-things-you-didnt-know-about-the-iron-dome/ , kuerzlich wurde ein neues Radarszystem zur Erkennung und Abwehr von Langstrecken-Racketen vorgestellt http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4722615,00.html. Aber das ist nicht genug. Keiner will und kann auf Dauer unter staendigem Raketenbeschuss leben. Das einzige, was hilft ist, die Abschussgeraete zu zersoehren und die Drahtzieher aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei wird Zivilbevoelkerung gefaehrdet, gerade solche, die von den eigenen Machthaben nicht geschuetzt, sondern als Schutz genutzt wird. (Uebrigens werden Verletzte aus Gaza auch in Israelischen Krankenhaeusern behandelt.) Gegen die Tunnel, aus denen irgendwann mal dutzende Terroristen inmitten von Kibbutzim und Ortschaften herauskrabbeln koennten und Familien im Schlaf in ihren Betten abschlachten koennten, gibt es noch keine Abwehr.
      Diese „beiden Seiten“ haben vollkommen verschiedene Bestrebungen fuer ihre Handlungsweise, und die Gruende warum dort „gestorben wird“ oder nicht, sind vollkommen verschieden.

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  3. Danke für deine ausführliche Antwort, liebe Ruth… Sie füllt eine Menge Lücken auf… Und ich hoffe dass noch andere Menschen lesen was du jetzt geschrieben hast…

    Liebe Grusse
    Nil

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