Omas Kartoffeln

Heute habe ich es gewagt sie zu kochen. Nicht, dass es schwierig ist, aber der Geschmack, den die Oma ihnen verliehen hatte, scheint niemand so richtig hin zu kriegen. Deshalb kochen und essen alle diese Kartoffeln mit Vergnügen, denn sie sind immer lecker, aber auch mit einer gerümpften Nase. Sie schmecken eben doch nicht so, wie die von der Savta (Oma auf Hebräisch).

Sie war eine einfache Frau und so war auch ihre Ernährung. Aufgewachsen war sie in der Wüste von Jemen, weit vom städtisch zivilisierten Treiben, ohne Strom und fließend Wasser. Im Alter von Zwölf hatte man sie verheiratet und sie zog zur seiner Familie, wie das üblich war. Er war ein aufrichtiger, fleißiger Jüngling, der sie nicht berührte, ehe sie dazu bereit war. Die meiste Zeit verbrachte sie in Gegenwart seiner Mutter und Schwestern. Vielleicht lernte sie hier wie man Kartoffeln kocht.

In das heilige Land zogen sie und ihr Mann zu Fuß und per Boot einige Jahre später, als sie schon eine Tochter hatten. Sie siedelten sich in der heiligen Stadt an, musste sich an das Stadtleben gewöhnen und erlebten die allmähliche Entstehung des Staates Israel. Auch die eigene Familie wuchs schnell. Nuuns Mutter war die jüngste von 7 oder 8 Kindern, die die jemenitische Einwanderin gebar. Nuuns Mutter wurde noch nicht als Israelin geboren, denn den Staat gab es noch nicht. Seine Familie väterlicherseits ist übrigens schon seit mindestens sieben Generationen in dem, was heute Israel ist, ansässig. Also, genau genommen sind sie alle Palästinenser. Aber den Begriff gab es damals noch nicht. Der wurde erst nach der Gründung des jüdischen Staates erfunden um die indigene Bevölkerung zu determinieren und so den Anspruch der Juden auf das Land zu dementieren. Aber wenn alle, die hier ansässig waren, bevor es den Staat Israel gab, Palästinenser sind, dann schließt das auch die Juden ein. Und da die meisten heutigen Palästinenser erst nach der Gründung des Judenstaates hergezogen sind, sind dann nicht eigentlich alle Israelis auch Palästinenser? Ich schweife vom Thema ab.

Zurück zur jemenitischen Großmutter, die nun israelisch geworden war. Ihr Mann verstarb sehr früh und sie blieb mit ihren x Kindern zurück – es waren mindestens 6, niemand weiß genau, wie viele jung starben und wann. Sie musste ihre Sprösslinge allein ernähren. Das tat sie, indem sie Zeitungen verkaufte. Bis heute sagen die Enkelkinder: „hier hat unsere Oma mit ihren Zeitungen gesessen”, wenn sie an der bestimmten Straßenecke im Zentrum von Jerusalem vorbei gehen. Sie ist ein Stück Familien-geschichte. Genauso wie die Kartoffeln, die Savta ihren Kindern und später auch Enkelkindern kochte.

So wird’s gemacht:

Als erstes brät man Zwiebelwürfel – etwa eine sehr große Zwiebel für ein Kilo Kartoffeln. Das mit den Mengenangaben ist nicht so präzise. Orientalische Frauen haben das Kochen von ihren Müttern einfach abgeguckt und da ging es nach Gefühl. Schreiben und lesen konnten sie nicht, aber Gefühl und Geschmack hatten sie viel. Also sagen wir: relativ viel Zwiebeln, zwei auf ein Kilo. Wer es mag kann auch Knoblauchzehen hinzufügen. Dann die Kartoffeln vierteln und hinzugeben, salzen. Gewürzt werden die Kartoffeln mit Hawaiege. Hawaiege heißt Gemisch und ist das Curry der Jemeniten. Enthalten sind Kreuzkümmel, Kurkuma, Kardamon, Schwarzer Pfeffer, Koriander Samen, eventuell ein wenig Muskat und/oder Safran. Wie gesagt, genaue Mengenangaben gibt es nicht. In Jemen hat jeder seine Gewürze selber gemahlen und dann nach Geschmack selber zusammengestellt. Das Gewürzgemisch wurde dann für Suppen und Fleisch oder auch jedes andere Gericht benutzt. Heute kann man es fertig kaufen. Wir mahlen und mischen unser Eigenes, denn frisch gemahlen schmeckt es am besten.

Nachdem man etwa einen Löffel des Gewürzgemisches Hawaiege hinzugegeben hat und die gedünsteten Kartoffeln gut damit verrührt hat, streut man grob gehackte Kräuter darüber – etwa zwei Hände voll. Bei der Savta war das in erster Linie Petersilie und Koriander. Auch Sellerie passt sehr gut. Man kann jedoch auch andere Kräuter, die man zur Hand hat, verwenden und damit einen individuellen Geschmack erzeugen – Hauptsache sie sind frisch. Dann Wasser hinzu geben, die Kartoffeln aber nicht ganz bedecken und auf niedriger Flamme möglichst lange gar kochen. Gelegentlich mal umrühren, aber aufpassen, dass die Kartoffeln nicht zermatschen. Die Kartoffeln nehmen den Geschmack der Kräuter auf und es entsteht eine aromatische, schmackhafte Beilage, oder eine leckere, sättigende Zwischenmahlzeit.

Ich kannte die Savta nicht, kann sie mir aber an Hand ihrer Kartoffeln gut vorstellen. Sie war genügsam und hatte ein herzhaftes Gemüt.

Omas Kartoffeln:
ungefähr….
2 Zwiebeln
1 kg Kartoffeln
4-5 Knoblauchzehen
Salz
1-2 EL Hawaiege
100 gr Koriander
100 gr Petersilie
etwas Sellerie
eventuell andere Kräuter nach Geschmack

Hawaiege
Hier ein Rezept, dass ich dennoch mit Mengenangaben gefunden habe:
Kreuzkümmel 100 gr
Kurkuma 200 gr
Kardamon 50 gr
Schwarzer Pfeffer 100 gr
Koriander Samen 30 gr
Muskat
Safran

BeTe’avon! Guten Appetit!

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13 Gedanken zu “Omas Kartoffeln

      1. Wenn man es schafft den Geschmack der Heimat ueberall zu kochen, dann kann man sogar andere in die Heimat einladen
        🙂 Ich denke es ist nicht so sehr der Geschmack der Heimat in diesem Falle, sondern der Herkunft, der Ahnen, der Nostalgie.
        Liebe Gruesse
        Ruth

        Gefällt 1 Person

    1. Ich denke es ist eine Art Heimweh – die Sehnsucht nach einem Familien- gefuehl, einer Haeuslichkeit, Geborgenheit…., die es immer weniger gibt, da die Familien klein sind und es wenige gemeinsame Mahlzeiten gibt. Weisst, Du, was ich meine?

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  1. Ich muss sagen bis vor kurzem michte ich Kartoffeln nicht unbedingt gerne, aber als ich dann Ifenkartoffeln ausprobierte fand ich gefallen an ihnen. Vielleicht hängt sich dein Rezept ja drann 😉

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