Wie lehrt man Kinder Frieden?

Der Ramadan ist zu Ende.
Am Freitag nahmen Muslime in der ganzen Welt das Iftar, das Abschlussmahl, ein. Die Muslima Qanta A.Ahmed war zu diesem Anlass im Haus des israelischen Botschafters in Washington eingeladen und traf dort äußerst interessante Leute.
Im Gaza-Umland sind weitere Hunderte Hektar Landwirtschaft niedergebrannt. Israelische Kinder versuchen auf kreative Weise mit der Situation fertig zu werden und den Optimismus nicht zu verlieren.
In Ramallah wird eine seltene Demonstration zerstreut, die sich gegen die Sanktionen der  palästinensischen Autonomiebehörde in Gaza richtete.
Ansonsten schaut man WM. Langsam verschwindet alles in einer Art WM-Nebel. Obwohl an diesem Wochenende so viel passiert ist, redet man morgens im Büro über Messis missglückten Elfmeter.

Bei unseren palästinensischen Nachbarn brachten die letzten Tage besonders viel Unruhe. In Ramallah passierte Ungewöhnliches. Demonstrationen werden dort nur dann zugelassen, wenn sie sich gegen Israel richten. Trotzdem schafften es etwa 1500 Menschen, in einer Demonstration gegen die eigene Führung in Ramallah auf die Straße zu gehen.

Sie verlangten die Aufhebung der Sanktionen gegen Gaza. Im Rivalenkampf der beiden Führungsparteien versucht die Fatah unter Mahmud Abbas die in Gaza herrschende un-kooperative Hamas in die Knie zu zwingen.

Die Sanktionen sind seit dem Frühjahr 2017 in Kraft. Diese umfassen eine Reihe von drastischen Maßnahmen. Die in Gaza lebenden Angestellten der PA (Palestinänsischen Autonomiebehörde) haben eine Kürzung der Gehälter einstecken müssen. Hunderten von Familien wurden die Sozialversicherungen gestrichen und Tausende von Beamte wurden in Frührente geschickt. Andere, die sich seit 2007 Steuererleichterungen erfreuen konnten, müssen seit einem Jahr darauf verzichten.

Am schlimmsten wirken sich die Sanktionen jedoch auf die Strom- und Wasserversorgung in Gaza aus. Diese erhalten die palästinensischen Gebiete zu einem subventionierten Preis von Israel. Da die extremistische Hamas jedoch stur jeglichen Kontakt mit Israel verweigert, und viele Verwaltungsaufgaben weiterhin von der PA ausgeführt werden, wurde die Bezahlung von der PA abgewickelt. Bis die PA im Frühjahr 2017 nach Auseinandersetzungen mit der Hamas die besagten Sanktionen verhängte.

Die Demonstration wurde mit Tränengas, Schlagstöcken und Elektroschockern auseinander getrieben. Das Sicherheitspersonal erschien teils in voller Montage mit Helmen, Schildern und kugelsicheren Westen, teils aber auch in Zivil gekleidet. Sie begannen Schlägereien unter den Demonstranten und zerrten dann Personen aus der Menge. Die PA nahm 69 Menschen fest, einige davon erst, nachdem die Demonstration bereits beendet war, und die Demonstranten sich im Krankenhaus behandeln ließen. Augenzeugen.

Weitere Demonstrationen sind für die nächste Zeit verboten. Eine Änderung in der Politik ist von keiner Seite zu erwarten. Die Hamas, gegen die sich die Sanktionen richten, lässt nicht mit sich reden. Sie verstehen nur die Sprache der Gewalt. Mit Gewalt haben sie 2007 die Macht an sich gerissen. Gewaltsames Verhalten hat ihnen die Sanktionen eingebracht. Nur durch Gewalt lassen sie sich beeinflussen, wenn überhaupt. Die Fatah versucht es mit passiver Gewalt. Über Lösungen scheint man nur in Israel zu diskutieren.

Eines haben die rivalierenden Parteien gemeinsam: sie provozieren und beschuldigen Israel, um vom internen Machtkampf abzulenken. Keine von beiden übernimmt Verantwortung für das Chaos. Die Aggressionen an Israel auszulassen hilft, der eigenen Bevölkerung das Maul zu stopfen. Israel muss immer wieder zur Gewalt provoziert werden, damit man einen Schuldigen hat, den man an den Pranger stellen kann.

In Israel versucht man, sich nicht zur Gewalt hinreißen zu lassen. Trotz unzähliger Brände, die am Wochenende enormen landwirtschaftlichen Schaden angerichtet haben, versucht man Ruhe zu bewahren. Unter anderem sind große Teile der Honigindustrie am Wochenende vom Feuer vernichtet worden.

Mit Helium gefüllte Ballons, an denen kleine Sprengkörper gebunden waren, sind die Auslöser. Felder und  Bienenstöcke von Kibbutz Yad Mordechai, dem Hauptproduzenten von Honig in Israel, gingen im Flammen auf.

5000 brennende Ballons hatte die Hamas angekündigt. Die Mitglieder des Kibbutzes Nir Am, dessen Felder ebenfalls erheblichen Schaden erlitten haben, fanden eine kreative Antwort. Sie organisierten ein Ballonfest.

Die israelischen Kinder schickten ihrerseits Ballons nach Gaza. Diese jedoch hatten keinen Sprengstoff oder kleine Bömbchen an der Schnur, sondern Bonbons. Es ist das zweite Mal, dass sie Botschaften an die Einwohner von Gaza schicken.

Vor einigen Wochen gab es eine ähnliche Aktion mit Drachen. Kinder aus Sderot, einer Stadt in der Gaza-Umgebung, bastelten Drachen und schrieben Friedensbotschaften darauf. Es war Antwort auf die Zettel, mit denen die Drachen von der anderen Seite bestückt waren. Manche, die aus Gaza gesendet waren, hatten Hakenkreuze, andere lasen Texte wie: „Jüdische Mutter, sei wachsam, denn wir kommen, um Deine Söhne zu töten.“

Ich denke die Aktionen auf israelischer Seite haben eher das Ziel den Kindern zu helfen mit dieser unfassbaren Situation klar zu kommen. Irgendetwas muss man tun, um sich nicht vom Terror unterkriegen zu lassen.

Wie bringt man Kindern Frieden bei, wenn man ständig angegriffen wird? Wie erzieht man Kinder dazu andere zu respektieren, wenn einem der eigene Lebensraum fortwährend streitig gemacht wird? Wie lehrt man sie Dinge zu schaffen und aufzubauen, wenn es doch von anderen immer wieder zerstört wird?

Man rafft sich zusammen und schafft gemeinsam. Auch gab es am Wochenende eine große Pflanz-Aktion unter dem Motto: „sie verbrennen, wir pflanzen“.

Aber solange der landwirtschaftliche Feuerterror anhält, hat das leider wenig Sinn.

Über die Erlebnisse von Ahmed erzähle ich im nächsten Beitrag.

Ein Gedanke zu “Wie lehrt man Kinder Frieden?

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