Mit Goethe durch die Krise

Seit Beginn der Corona-Krise ist das Geldverdienen schwierig geworden.
Auch ich sitze zuhause.

Bevor ich morgens meinen Computer öffne und mich auf Kundensuche begebe, öffne ich ein kleines Büchlein, das meine Mutter mir einmal geschenkt hat. Es enthält Gedichte und Gedanken von Goethe – für jeden Tag ein paar Zeilen.

Mich fasziniert die Zeitlosigkeit dieser Sprüche immer wieder aufs Neue. So oft glaubt man als junger Mensch der Welt eine neue Einsicht mitzuteilen, aber in Wirklichkeit ist alles schon oft gesagt worden. Kluge Menschen haben schon immer verstanden wie die Welt funktioniert.

Menschen sind Menschen – sie handeln nach Gefühlen und mit Scharfsinn erklären und manipulieren sie. Was sich ändert sind die Worte und die Art und Weise wie diese von einem zum anderen übertragen werden.

Goethes Weisheit für heute:

Künstler! dich selbst zu adeln,
Mußt du bescheiden prahlen;
Laß dich heute loben, morgen tadeln,
Und immer bezahlen.

Als Marketingtexter muss man Goethe einfach beneiden um seine Fähigkeit, sich mit so wenigen Worten so klar ausdrücken zu können. Jeder Copywriter träumt davon eine eindeutige, ausdrucksstarke Botschaft mit wenigen, einfachen Worten an die Kunden zu bringen.

Ausserdem habe ich festgestellt, dass Goethes Thematik oft wesentlich weniger geistig-poetisch ist, als man uns im Literaturunterricht der Oberschule glauben machen wollte. Diese Zeilen geben ganz praktischen Ratschlag fürs Leben.

Für mich kann das Wort „Künstler“ problemlos mit dem Wort „Texter“ ausgetauscht werden. Oder, noch besser mit „Freelancer“ oder „Selbstständiger“.

Dieses Gedicht gefällt mir besonders gut:

Das Rechte, das ich viel getan,
Das fichte mich nun nicht wieder an;
Aber das Falsche, das mir entschlüpft,
Wie ein Gespenst mir vor Augen hüpft.

Das klingt zuerst wie Gewissensbisse. Oder geht es hier vielleicht mehr um Tratsch und Klatsch, der dafür sorgt, dass man seine Fehlschläge nicht vergisst, sondern dafür bezahlt?

Und wie sieht es aus, wenn man eine Karriere anstrebt und die Konkurrenz groß ist? Es gibt immer solche Konkurrenten, die nichts Besseres zu tun haben, als die Fehlschläge anderer ins Rampenlicht zu zerren.

Für Politiker und Celebs sind es die Medien.

Zum Abschluss noch diese wunderschöne Perle:

Was soll ich viel lieben was soll ich viel hassen? Man lebt nur vom leben lassen

2 Gedanken zu “Mit Goethe durch die Krise

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s