Chaos in Israel – so fühlt es sich an

Es war sowieso schon ein unruhiger Tag, dieser Montag.

In den Medien spricht man von Zusammenstößen, als ob es sich um eine fehlerhafte Ampelanlage handelt. Aber für Mollotow Cocktails und mutmaßlich in Brand gesteckte Autos finde ich das eher unpassend (als wir in den 80er-Jahren demonstrierten, nannte uns die Presse Chaoten und wir waren wesentlich harmloser).

Ich versuche meine Gedanken auf die Arbeit zu konzentrieren und SWOT Analyse zu erklären.

Aber an solchen Tagen finde ich immer wieder andere Beschäftigungen, wie den Balkon fegen, den Küchentisch wischen oder wie jetzt Wäsche aufhängen.

Ich höre in der Ferne eine Sirene heulen. Und dann noch eine. Und noch eine. Diese ist schon wesentlich lauter und somit näher. Ich lausche auf. Kann es sein…? Jetzt sind die Sirenen schon richtig laut, aber noch nicht bei uns. Ich halte inne. Soll ich….?

Und dann BUMMMM! Die Luft erzittert.

Ich rufe meinen Hund ins Haus. Ein Bumm nach dem anderen.

Im Sicherheitsraum versuche ich die schwere Stahltür des Fensters zuzuziehen. Keine Sirenen mehr, aber es bummt und kracht weiter. Die Stahltür bleibt stecken. Ich rüttle daran, versuche zu drücken, zu ziehen, nichts hilft. Erst dann merke ich, das ich vergessen habe die Klappjalousien zu schliessen.

Inzwischen ist der Angriff vorbei.

Nuun ist irgendwo mit dem Motorrad unterwegs und ich habe keine Ahnung, wo die Raketen gefallen sind und ob sie abgeschossen wurden.

Auf meinem Handy finde ich Nachrichten von den Kindern und Freunden. Es war ein Raketenangriff auf Jerusalem! Einige sind in der nahen Umgebung eingeschlagen. Bisher keine Verletzten oder Tote. Unsere Kinder in Tel Aviv und Zypern sind um uns besorgt.

Nuun kommt in die Tür. Den Rest des Abends verbringen wir vor dem Fernseher.

Am Dienstagmorgen hören wir vom Chaos in Lod.

Jüdische Bewohner sind in ihren Wohnungen angegriffen worden. Ein arabischer Chaot (ich übernehme einfach mal die traditionelle Terminologie) ist erschossen worden. Es ist schockierend. Und die Raketenangriffe auf den Süden Israels gehen weiter, trotz der Rückschläge auf Gaza.

Müssen wir heute wieder Raketen aus Gaza auf Jerusalem erwarten?

Die NewsApp bleibt heute an meinem Computer offen, damit ich sehe, wo wann Raketenalarm tönt.

Es ist 20:45. Wieder heulen in der Ferne Sirenen. Diesmal ist es Tel Aviv! Die Stimmen der Reporter in den Livestreams klingen nervös und überspannt. Tel Aviv? Meine Tochter lebt in Tel Aviv. Sie hat keinen Sicherheitsraum! Sofort sende ich eine WhatsApp: „Bist du sicher?“

Keine Antwort.

Vielleicht hat sie keinen Empfang.

Ich laufe unruhig in der Wohnung auf und ab. In der Familiengruppe häufen sich die Nachrichten. Und endlich eine von meiner Tochter: „Tel Aviv unter Beschuss! Höllenangst!“ – „Wo bist du?“ – „Ich war gerade mit dem Hund unterwegs und bin in einen Hauseingang als die Sirenen anfingen“.

„Aber bist du jetzt in Sicherheit?“

„Ja, aber man hört ständig Explosionen, das Gebäude vibriert, ich zittere am ganzen Körper vor Angst.“

Ich bleibe mit ihr am Telefon, bis sie die Wohnung ihrer Freundin erreicht. Auf dem Weg heulen die Sirenen noch zweimal und jedes Mal findet sie im Treppenhaus eines Gebäudes Unterschlupf mit anderen verängstigten Passanten, die alle nur schnell nach Hause möchten.

Und das war erst der Anfang einer sehr unruhigen Nacht.

4 Gedanken zu “Chaos in Israel – so fühlt es sich an

    1. Danke für die lieben Worte, Rita. Ja, wir wünschen uns nichts mehr als Frieden und Ruhe für Israelis und Palästinenser. Aber die kann es nur geben, wenn der Terrorismus und extreme Islamismus überwunden werden. Denn wer hier den Hass immer wieder schürt ist die extremistische Terror-Organisation Hamas. Nicht die Palästinenser und nicht die Israelis. Die meisten wollen in Frieden leben. Aber die Hamas unterdrückt mit Brutalität jeden Ansatz der Bevölkerung in Gaza – wo sie totalitär und gnadenlos regiert – zu einer anderen Einstellung. Sie haben das Ziel Israel von der Landkarte zu wischen. Und sie tun es wie ISIS, Saddam Hussein und andere Extremisten, auf Kosten der eigenen Bevölkerung. Es ist kein Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, sondern das Bestreben der Hamas diese Gegend unter seine Macht zu ziehen, die zu diesem Chaos führt. Hier in diesem Bericht ist eine ausführliche Erklärung wie es zu einer derartigen Eskalation kommen konnte. https://www.hagalil.com/2021/05/eskalation-mit-methode/
      Traurig und beunruhigend.

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      1. … da bin ich ganz bei dir… aber ihr seit nicht die Einzigen die diesen Zwiespalt zwischen Militär, Religion und Erdengrund… entzündet… Bangladesh ist historisch und immer noch verloren…

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