Von Vorne anfangen…

Ein paar Zahlen zum brennenden Israel: Um die 100 000 Menschen evakuiert.
Etwa 630 Brandstätten verteilt über das ganze Land über 5 Tage. Geschätzte 560 Wohnungen zerstört. Vermutlich 180 Verletzte, davon nur eine Person schwer. Keine Toten.

Das ist schon beachtlich. Die Arbeit, die hier von der Feuerwehr geleistet worden ist, sowie von anderen Hilfskräften, inklusive vor allem Armee und Polizei, finde ich schon bewundernswert. Nicht zuletzt die Bevölkerung selber kann ich nur bestaunen. Die Besonnenheit und Aufmerksamkeit mit der in dieser Ausnahmesituation gehandelt wurde, trug erheblich dazu bei, dass Menschen unversehrt blieben.

2500 Feuerwehrleute haben sich an diesem Kampf gegen die Flammen und den Rauch beteiligt. Aus mindestens 13 Ländern wurden Flugzeuge, Personal und Geräte zur Unterstützung gesendet (Deutschland war übrigens nicht darunter, falls jemand fragen sollte). Auch aus dem palästinensischen Hoheitsgebiet wurden Feuerwehrteams geschickt. Viele weitere Länder hatten ihre Hilfe angeboten. Auch das finde ich bemerkenswert.

Wer nicht so unversehrt bei den zumeist Sabotage Feuern – um nicht das abgelaberte Wort Terror zu benutzen – davongekommen ist, sind Pflanzen und Tiere. Im Jerusalemer Wald sind Angaben von Samstag zufolge 750 Hektar Wald und landwirtschaftliche Gebiete abgebrannt. An die Tiere, denen, wenn nicht das Leben, dann zumindest der Lebensraum und die Überlebensmöglichkeit genommen wurde, will ich gar nicht denken.

Bisher sind etwa 30 verdächtige Brandstifter festgenommen worden. Einige waren während der Tat geschnappt worden, dank Überwachungs-Fluggeräten der Armee. Andere waren auf der Flucht aufgelesen worden, die meisten wohl nach Fahndungen, bei denen oft beduinische Spurenleser mithelfen.

Was geht vor in den Köpfen dieser mutmaßlichen Brandleger vor? Sie sind nicht für alle Brände verantwortlich, schließlich waren die Wetterbedingungen geradezu Feuer ermutigend, aber sie wussten diese Situation auszunutzen. Wofür jedoch? Wer zu Schaden gekommen ist, sind Land und Natur. Wenn diese Menschen sich als Freiheitskämpfer verstehen, was hilft ihnen die Vernichtung von Füchsen und Igeln, von Schildkröten und Schlangen, Hirschen und Stachelschweinen? Was sind Bäume und Büsche daran Schuld, das die politische Lage so oder anders ist? Was haben sie für Einfluss darauf, wer wo herrscht und wie? In der Geschichte haben sich Untergrundkämpfer die Natur zum Freund gemacht und zu ihren Gunsten genutzt. Sie waren sich deren Wert bewusst. Diese aber scheinen nur auf Zerstörung aus zu sein. Stört es sie, dass die Wälder in Israel zum größten Teil von den jüdischen Pionieren angepflanzt worden waren?

Man sollte meinen, dass Rebellen wissen, wofür sie kämpfen. Diese aber scheinen hauptsächlich GEGEN zu kämpfen und das mit allen Mitteln, überall und ohne Plan und Würde. Einfach drauf los, zerstören, ob es nun Sinn macht oder nicht. Genug, dass Israelis in Gefahr gebracht werden – ob dabei die eigene Umwelt draufgeht, scheint irrelevant. Wenn Chaos geschaffen wird, dann tanzen schon einige vor Freude im Kreise, auch wenn dadurch nichts, aber auch absolut gar nichts erreicht wurde, wovon irgendjemand profitieren könnte. So ist der Terror. Er bringt niemandem etwas, weder kurzfristig, noch auf lange Zeit. Es geht nicht darum einen funkionierenden palästinensischen Staat aufzubauen – dafür gäbe es unendliche Wege und genauso viel Unterstützung – es geht nur darum zu vernichten. Diesmal wurde Natur vernichtet, oft sind es unbeteiligte Menschenleben, immer ist es Vertrauen und Hoffnung, Verständnis, Respekt, guter Wille, Loyalität. Immer sind gute Menschen da, die das mühselig wiederaufzubauen versuchen.

 

Auch das Neupflanzen der Bäume wird wieder geschehen. Falls jemand einen Baum spenden möchte um zu helfen, hier ein paar Adressen:

http://kkl-jnf4u.kkl.org.il/haklek_veta/e_yaar.aspx?lang=en

http://www.kkl-jnf.org/donate-and-make-a-difference/

https://www.treesfortheholyland.com/

Ein anderer Alltag

Mein eigener Alltag in Israel ist friedlich und wahrscheinlich nicht viel anders als ein Alltag in Deutschland. Eine Autostunde weiter südlich haben die Menschen Sorgen, die weder Du noch ich kennen. Eine Art von Sorgen, die sich wohl niemand, nicht einmal die Menschen, die im Süden Israels selber leben, vorstellen können. Eine Bedrohung, die unter der Erde wächst, ungesehen und unberechenbar. Niemand weiß wirklich, was dort passiert und wo das alles hinführt.

Die Zeitung Die Welt hat das in diesem Artikel ‚Israels Angst vor dem Terror aus dem Tunnel‘ zu erfassen versucht.

Weiterlesen Ein anderer Alltag

Ein Araber, ein israelischer Soldat und eine Straßensperre

Der Fahrer ist Araber. Viele Fahrer der Linie 101 sind Araber. Die Meisten kenne ich schon, aber nicht diesen.  Woher ich weiß, dass er Araber ist? Ich sehe es. Frag mich nicht woran, es ist die Übung. Nein, es hat absolut nichts mit Rassismus zu tun! Man gewöhnt sich daran die feinen Unterschiede wahr zu nehmen. Genauso, wie ich kein Problem habe deutsche Touristen von weitem zu identifizieren und von dänischen oder holländischen zu unterscheiden. Genauso, wie ich russische oder französische Immigranten erkenne ohne, dass sie den Mund aufmachen, und Amerikaner herausfiltern kann. Das Unterbewusstsein nimmt die Unterschiede in Körpersprache, Gesichtsausdruck usw. auf. Irgendwann beginnt man intuitiv Fremde damit einzuordnen. Wenn man mit Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern umgeben ist, kriegt man darin Übung.
Das nur nebenbei.

Weiterlesen Ein Araber, ein israelischer Soldat und eine Straßensperre

Abschleppen und ähnliche Geschichten aus der Männerwelt

Schon seit einiger Zeit gab meine Kupplung krächzendes Stöhnen von sich wenn ich das Pedal herunter trat. So konnte es nicht weiter gehen. Nuun, der bei uns für Autoprobleme zuständig ist, hörte sich das an, erklärte irgendetwas über Kugellager und empfiehl mir damit zu Ramsi zu fahren. Das tat ich ein paar Tage später, an meinem ‚freien‘ Tag, der immer sehr schnell mit allen möglichen Erledigungen beladen wird. Nuun hatte Ramsi bereits per Handy informiert. Die Autowelt ist eine Männerwelt. Ich bin froh, wenn ich mich da ‚raus halten kann. Ramsi kam mir auf einem großen Parkplatz, unweit der Werkstatt, in der er angestellt ist, entgegen. Neben meinem Fahrzeug blieb er stehen, hörte sich sein Krächzen kurz an und entschied es sei das Getriebe. Es müsse ausgewechselt werden.

Verdammt! Das wird teuer!

Weiterlesen Abschleppen und ähnliche Geschichten aus der Männerwelt