Geschichten von Leuten, die niemand hört: Wie Muslime Ramadan mit dem Staat Israel feierten

Vor lauter Aufregung fand sich Qanta Ahmed viel zu früh an der Haustür der Villa in dem wohlhabenden Vorort von Washington. Sie war nicht die Einzige. Vor dem Eingang wartete schon ein Herr, den sie nahliegenderweise für einen Israeli hielt. Dieser Fehler sollte ihr im Laufe des Abends noch oft unterlaufen. Das ist, was die Medizinprofessorin und Kolumnistin als Erstes in ihrem Gastartikel bei der Times of Israel feststellte: wie schwer es war die Nationalität der Anwesenden zu erkennen und sie einer Religion genau zuzuordnen.

Es war für die aus Britannien stammende Muslima das erste Mal, dass sie der Einladung des israelischen Botschafters in Washington folgen konnte. Ron Dermer und seine Frau laden bereits das fünfte Jahr zum Iftar, dem Abschluss Mahl des Ramadans ein. Diesen Brauch haben sie von Dermers Vorgänger übernommen.

Für Prof Ahmed sollte es das bedeutendste Event des diesjährigen Ramadan Fastens werden.

Der Herr, mit dem sie schon am Eingang ins Gespräch gekommen war, war zu ihrem Erstaunen kein Israeli, sondern der kurdische Journalist Rahim Rashida. Ein aufregender Anfang des Abends, da sie erst vor Kurzem selber aus Kurdistan zurückgekehrt war. Aber es sollte keinesfalls die Einzige spannende Begegnung bleiben.

Genau genommen befasst sich der Artikel von Ahmed hauptsächlich mit der Vielfältigkeit der Menschen, die sie an diesem Abend traf und kennenlernte. Sie beschreibt die Wärme der Multiglaubensrichtungen, Multinationalität und Multikultur, von denen sie sich umarmt fühlte, sobald sie das Innere des Hauses betrat als so kennzeichnend, dass sie sich sofort nach Israel versetzt fühlte.

Wie in Israel, einem Land, das sie bereits 10 Mal in den letzten vier Jahren besucht hatte, sei es ihr nicht möglich gewesen die Muslime, Christen und Juden zu unterscheiden und als solche zu identifizieren. Man grüßte sich mit einem Lächeln und einem freundlichen Schalom oder Salam und stellte sich einander vor, während man seine Religionszugehörigkeit preisgab.

Ahmed beschreibt es als eine wundervoll akzeptierende Atmosphäre, genauso, wie sie das in Israel erlebt habe. Nach ihren Worten spiegelt es die wahre Natur des Staates Israel wieder, die Heimat und das Herz aller großen monotheistischen Glaubensrichtungen, die es irgendwie schaffen offen zu sein für beides, die Säkularen und die Religiösen.

Eine der ersten Gäste, deren Bekanntschaft die Autorin machte, war eine Frau, die ihr wegen ihrer besonderen Ausstrahlungskraft auffiel. Sie war die Büro-Chefin des israelischen Nachrichtensenders i24 news und musste daher mit Sicherheit israelisch und Jüdin sein. Das erschien Ahmed geradezu selbstverständlich. Der Anschein blieb, bis sie den Namen der Dame erfuhr und herausfand, dass es sich um eine Muslima mit saudi-arabischer und algerischer Herkunft handelt. Wie kommt eine solche Frau zu einem solchen Job?

Diese Frage blieb unbeantwortet. Die Damen hatten genügend andere interessante Themen zu besprechen.

Obwohl es eine gemischte Gemeinschaft von Gästen war und durchaus nicht alle das Ramadan Fasten einhielten, wurden weder Getränke noch Snacks angeboten, bis es an der Zeit war, das Fasten zu brechen.

Ahmed bemerkt mehr als einmal in ihrem Text, wie sehr sie diesen natürlichen Ausdruck des gegenseitigen Respekts schätzte. Für mich scheint es in diesem Fall selbstverständlich. Schließlich war der Anlass zum Event religiösen Ursprungs und so ist es nur recht die dazugehörigen religiösen Bräuche zu respektieren, auch wenn der Gastgeber selbst nicht Muslim ist.

Gerührt beschreibt Ahmed in den nächsten Zeilen sehr deutlich, mit welcher Mühe die Gastgeber den Gläubigen ein angemessenes Gebet möglich machten. Noch mehr bewegte sie das pluralistische Ambiente in dem provisorisch extra für diesen Anlass eingerichteten Gebetszimmer, das sich entfaltete, als Muslime unterschiedlicher Richtungen inmitten anderer Religionen und Kulturen beten konnten. Und all das im Haus eines hochrangigen israelischen Staatsbeamten.

Die einzige andere Frau, die außer ihr an den Gebeten teilnahm, war die Gattin eines afrikanischen Botschafters. Zwei vollkommen unterschiedliche Damen aus vollkommen unterschiedlichen Kulturen mit einem total unterschiedlichen Leben.

Die Menschen, mit denen Ahmed im Haus des Israelis zusammenkam, waren hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Militär, Wirtschaft aus allen Ecken der Welt. Immer und immer wieder betont sie in ihrem Artikel die Tatsache, dass es ihr unmöglich war, vom Anschein her zu bestimmen, zu welcher Religion jemand gehörte oder in welchen Bereich er oder sie einzuordnen sei. In ihren Worten war es ein echtes Erleben von wahrem Pluralismus.

Manche der Anwesenden waren ihr bekannt, wie zum Beispiel die Freundin und Kollegin Raheel Reza. Sie ist eine muslimische Menschenrechtlerin aus Kanada, Gründerin und Leiterin der Organisation Muslims Facing Tomorrow. Diese kämpft gegen Islamismus und Antisemitismus, welche ihren Erfahrungen nach oft Hand in Hand gehen.

Die Aktivistin stellte ihr einen interessanten Herrn vor. Es handelte sich um einen australischen schiitischen Kleriker in elegantem Gewand. Für Qanta Ahmed war es das erste Mal, dass sie einen schiitischen Gelehrten traf und sie beschreibt es als eine Entdeckung, die ihre Welt erweiterte.

Mit einem General der israelischen Armee besprach sie die Philosophie der Peschmerga, die gegen die ISIS und die Türkei kämpfenden kurdischen Milizen. Erst vor Kurzem hatte sie mit diesen Zeit in einem ihrer Lager verbracht. Die Frauen in der Peschmerga und die in der israelischen Armee haben einiges gemeinsam, waren sich der General und Ahmed einig. Auch in anderen Gebieten konnten sie Parallelen erkennen und Ahmed hoffte, der General würde es ihr ermöglich, auch einmal die israelische Armee von innen zu erleben.

Ausführlich berichtet Ahmed weiter von der Ansprache des israelischen Gastgebers, Botschafter Dermer. Er sprach vom israelischen Bestreben eines friedlichen Zusammenlebens in Israel als jüdischen pluralistischen Staat. Er sprach von erfolgreichen Muslimen an der israelischen Technion Universität und Ahmed selber fügt ihre eigenen Erfahrungen hinzu und unterstreicht die enorme Unterstützung, die die Technion ihren muslimischen Studenten und Fakultätsmitgliedern bietet.

Sie beschließt ihren Artikel mit den Worten:
Dieser mächtige Geist Israels schließt meinen Ramadan und sendet einen bleibenden Duft der Hoffnung und der Möglichkeit um die Welt, dass Israel uns nicht nur zeigt, wie Muslime und Juden in der jüdischen Nation zusammenleben, sondern auch, wie die Welt außerhalb Israel wahrlich einmal werden könnte.

Hier der volle Artikel von Qanta A. Ahmed in The Times Of Israel.

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Geschichten, von Leuten, die niemand hört: Muhammad Zoabi

Muhammad Zoabi ist ein muslimischer Israeli aus Nazareth. In diesem Video erzählt er über seine Erfahrungen in israelischen Schulen und das Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden.

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Richtig Weihnachtsstimmung gibt es bei uns nicht. Ehrlich gesagt hat es mir nie wirklich gefehlt. Was ich vermisse ist das Skifahren, denn als Kind gehörte das für mich immer zu Weihnachten dazu. Aber auch das ist schon lange her. Heute ist es für mich Backzeit. Das Einzige, was mich über viele Jahre an Weihnachten erinnert hatte waren die selbstgebackenen Weihnachtskekse, die meine Mutter jedes Jahr geschickt hatte, so lange sie noch am Leben war. Jetzt backen wir selber und füllen unser Haus mit angenehmen Gerüchen und Lichtern. In Israel feiert man Hanukkah im Winter. Es ist vor allem für Kinder ein wunderschönes Fest mit vielen Kerzen, mit Liedern und Leckereien.

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Von gealterten kleinen Prinzen und Dirigentinnen

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Musik ist gut für die Seele, am besten live. Je mehr, desto besser.
Letzten Monat ließ ich mich von einem Konzert mit Chor und Orchester verwöhnen. In der Henry Crown Halle des Jerusalem Theaters war der Stuttgarter Chor Laudamus Te beim Jerusalemer Oratorio Chor zu Gast. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester gaben Sie Mendelsohn zum Besten, den 42. Psalm und Symphonie Nr. 2 „Lobgesang“. Es müssen insgesamt wohl etwa 150 Sänger gewesen sein, die sich auf der Bühne hinter dem Orchester drängten. Die Darbietung war davon nicht beeinträchtigt. Wer dem Konzert in der Liveübertragung im Radio folgte, dem war das natürlich sowieso egal. Ich saß in der dritten Reihe und hatte das Privileg von dort aus die Violinistinnen und Dirigentinnen aus erster Nähe zu beobachten.

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