Geschichten, von Leuten, die niemand hört: Muhammad Zoabi

Muhammad Zoabi ist ein muslimischer Israeli aus Nazareth. In diesem Video erzählt er über seine Erfahrungen in israelischen Schulen und das Zusammenleben von Muslimen, Christen und Juden.

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Burkini und Schwimmflügel

Als ich zum ersten Mal einen Burkini sah wusste ich nicht, ob ich lachen oder den Kopf schütteln sollte. Da man aber beides aus Respekt vor anderen Kulturen nicht tut, riss ich mich zusammen. Es war auch gar nicht so sehr der Burkini, denn mit dem hatte ich mich schnell angefreundet, sondern dass, was sich drumherum abspielte. Ich senkte also schmunzelnd den Kopf und beobachtete das bizarr amüsante Schauspiel über den Rand meiner Sonnenbrille hinweg.

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Krankenhaus

Wenn eine Krankenschwester durch den Flur im Krankenhaus rennt, dann ist das nie ein gutes Zeichen. Wenn kurz darauf ein Arzt spontan die Abteilung mit den Worten „ich muss schnell zur Notaufnahme“ verlässt, dann kann man sich schon vorstellen, was passiert ist.

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Schweigen ist keine Pflicht

Nicht nur am Holocaust Gedenktag gibt es in Israel eine Schweigeminute. Es ist eine sehr eindringliche und ausdrucksstarke Art dem Gedenken einen gebuehrenden Platz im Leben der Gemeinschaft und eines jeden Einzelnen zu verleihen. Morgen ist Israelischer Unabhaengigkeitstag. Einen Tag zuvor gedenkt man den Gefallenen in allen Kriegen und der Terroropfer. Auch an diesem Tag heulen die Sirenen und das hektische Leben stoppt, als haette jemand die Pause Taste gedrueckt.

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Made in Israel

„It’s not from China. This is good quality – made in Israel“ Beteuert der Verkäufer immer wieder in seinem arabischen Akzent. Dabei nickt er heftig mit dem Kopf. Er muss den geforderten Preis rechtfertigen und in seinen Augen steht eine Mischung aus Fordern und Flehen. Verständlich, die Geschäfte sind denkbar schlecht hier im Suk der Jerusalemer Altstadt. Wenig sind die Besucher, die hier her kommen und noch weniger sind es, die etwas zu kaufen bereit sind. Christliche Gruppen eilen vorbei auf dem Weg zur Grabeskirche, andere vereinzelte Touristen schlendern zwischen den aneinander gereihten, mit Waren überfüllten, winzigen Läden umher. Die Ladeninhaber sitzen an den Eingängen und knabbern Sonnenblumenkerne, deren Schalen sie auf das grobe Gestein der engen Straßen spucken. Sie sehen müde aus, schauen den Vorbeilaufenden hinterher, gelegentlich sprechen sie mal jemanden an, sonst plaudern sie gelangweilt miteinander.

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Die zwei Seiten der Angst

Eine Kurzgeschichte nach wahren Begebenheiten

Mit Genugtuung schaut sie in ihrer Einzimmerwohnung umher. Ihr Blick wandert von der bescheidenen Küche zum vergrößerten Wohnzimmerfenster und zum Ausgang auf den Balkon, von dort weiter durch die offene Badezimmertür auf die Duschkabine. Nachdem ihr Mann gestorben war, hatte sie ihre Ersparnisse in die Renovierung ihrer kleinen Wohnung investiert. Es war eine teure Angelegenheit gewesen, aber es hatte sich gelohnt. Esther wohnte schon viele Jahre in Nachlaot, einem der ältesten Wohnbezirke in West Jerusalem. Von hier ist das Stadtzentrum zu Fuß erreichbar, sowie auch der große Machane Yehuda Markt und der Sacker Park. Die Häuser sind simpel und niedrig, sie stehen nebeneinander, übereinander, durcheinander, dazwischen kleine Höfe, Gärten, Zäune und Treppen, viele Treppen und Wege. Sämtliche Gebäude hier sind entweder renovierungsbedürftig oder schon renoviert. Wenige, einspurige Straßen schlängeln sich zwischendurch. Bewohnt wird die Gegend hauptsächlich von Studenten, Künstlern und orthodoxen Juden.

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Ein Araber, ein israelischer Soldat und eine Straßensperre

Der Fahrer ist Araber. Viele Fahrer der Linie 101 sind Araber. Die Meisten kenne ich schon, aber nicht diesen.  Woher ich weiß, dass er Araber ist? Ich sehe es. Frag mich nicht woran, es ist die Übung. Nein, es hat absolut nichts mit Rassismus zu tun! Man gewöhnt sich daran die feinen Unterschiede wahr zu nehmen. Genauso, wie ich kein Problem habe deutsche Touristen von weitem zu identifizieren und von dänischen oder holländischen zu unterscheiden. Genauso, wie ich russische oder französische Immigranten erkenne ohne, dass sie den Mund aufmachen, und Amerikaner herausfiltern kann. Das Unterbewusstsein nimmt die Unterschiede in Körpersprache, Gesichtsausdruck usw. auf. Irgendwann beginnt man intuitiv Fremde damit einzuordnen. Wenn man mit Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern umgeben ist, kriegt man darin Übung.
Das nur nebenbei.

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