Ich will doch nur nach Hause!

Eigentlich hatte ich geplant um 18:00 das Büro zu verlassen. Leider klappt das nicht immer ganz, wie geplant und um zehn nach Sechs hatte ich den PC noch immer nicht ausgeschaltet. Zu spät. Den Bus hätte ich nicht mehr geschafft, dann lieber noch eine Stunde arbeiten, als auf den nächsten Bus warten. Wie viel Zeit mich diese Entscheidung wirklich kosten würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

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Meine Mamas Lieblingsboutique

Die Läden meiner Kindheit – Dieses reizende Erzählprojekt im Teestübchen Trithemius ist voll mit wunderbarer Alltags-Nostalgie. Ich wünschte, ich könnte da mitreden, habe aber leider so gut wie gar keine solche Kindheitserinnerung. Als Berliner Stadtkind gingen wir zu Bolle nebenan und damit hatte sich die Sache. Kleidung kauften wir bei C&A, Schuhe am liebsten bei Salamander, denn da gab’s den Lurchi …. außerdem zogen wir sowieso alle paar Jahre in eine andere Gegend und lebten nie irgendwo lange genug, als dass in mir Nostalgie aufkommen könnt. 

Über die einzige Erinnerung, die sich bei mir über längere Zeit einprägte, habe ich letztes Jahr schon einmal geschrieben, denn sie wurde an einem unerwarteten Ort wieder lebendig. Ich habe es für dieses Projekt noch einmal ein wenig umgeschrieben und aktualisiert:

Meine Mamas Lieblingsboutique

Stoffe der Blusen und Schals streifen mir sanft über meine Schultern und mit den bloßen Händen erwidere ich  zögernd ihre neugierigen Berührungen. Ich darf hier nicht alles anfassen. Diese Sachen gehören mir nicht. Und was einem nicht gehört, darf man nicht ohne zu fragen anfassen. Außerdem könnten die edlen Kleider in dieser exklusiven Boutique schmutzig oder kraus werden vom vielen Anfassen.

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Die weiße Wäsche der Nachbarn

Nach einigen Telefonaten hatten wir den Namen und die Nummer einer Schneiderin aus dem arabischen Nachbardorf Abu Gosch. Diese wiederum verwies uns auf eine andere, die in Jerusalem arbeitet und erst gegen drei Uhr zurück kommen würde. Sie würde jedoch die Arbeit für uns erledigen können. Es ist nicht so einfach über die Feiertage dringende Sachen zu erledigen. Eine Woche nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschanah, welches zwei Tage dauert, folgt Yom Kippur und vier Tage danach das Laubhüttenfest Sukkot. Dieses dauert eine ganze Woche, mit einem arbeitsfreien Tag am Anfang und einem am Ende. Ämter und andere staatliche Einrichtungen sind die ganze Woche geschlossen. Viele Geschäfte arbeiten nur einen halben Tag. Und dann gibt es zwischendurch natürlich noch die Wochenenden.

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Als die Nachbarskinder mit Medaillen nach Hause kamen

Auf dem Medaillenspiegel ist Israel auf dem Xysten Platz, irgendwo ziemlich weit auf dem unteren Teil der Liste. Der Teil eben, der schon nicht mehr ausgedruckt wird, weil ihn sowieso niemand liest. Aber immerhin, wir haben Medaillen. Letzte Woche sind die beiden israelischen Bronzemedaillen Gewinner in Ben Gurion Flughafen gelandet und was sich dort abspielte war genug um die Augen wässerig zu machen.

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Der Poltergeist ist ins Netz gegangen

Die Straße ist leer und dunkel. Nur die Scheinwerfer meines Kleinwagens strahlen auf den Asphalt der kurvigen Waldstraße und schweifen gelegentlich über die nächtlich schwarzen Bäume. Sie fangen kurz ein vorbei huschendes Tier ein, ich trete erschreckt auf die Bremse, vielleicht war es  ein Schakal, vielleicht ein Stachelschwein. Mein Herz klopft. Der Wald lichtet sich auf einer Seite des Berges als ich mich Har Adar nähere. Dünne Wolken schleichen schnell dicht über dem Boden entlang und verschwinden zwischen den Bäumen auf der anderen Straßenseite.

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Stolz in Jerusalem

Die Hündin Nala schaut aufgeregt vom Balkon des Zimmers in der Studenten-WG. Was da unten wohl los ist? Wie spannend, die vielen Menschen, die da gemeinsam laufen, singen und trommeln, manche tanzen sogar. Sie halten Schilder und Plakate hoch, schwängen Fahnen in Regenbogenfarben, einige sind verrückt gekleidet. Alles ist sehr farbenfroh und fröhlich.

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Krankenhaus

Wenn eine Krankenschwester durch den Flur im Krankenhaus rennt, dann ist das nie ein gutes Zeichen. Wenn kurz darauf ein Arzt spontan die Abteilung mit den Worten „ich muss schnell zur Notaufnahme“ verlässt, dann kann man sich schon vorstellen, was passiert ist.

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