Religion an der Kasse

Freitag Mittag an der Kasse im Supermarkt. Endlich ist der Warenhaufen des Herrn vor uns durch die Kasse gepiepst und gezahlt. Wir sind an der Reihe. Nuun steht auf der anderen Seite bereit unsere Öko-Taschen mit Einkäufen zu füllen, sobald die Kassiererin sie eingescannt hat.

„Gib das Mal durch“ sagt sie und zeigt mit dem Finger flüchtig auf die ersten unserer Waren auf dem Laufband. Ich schaue sie verständnislos an. Vielleicht habe ich nicht richtig gehört. „Bitte?“ Erwidere ich. „Gib das durch“ sagt sie tonlos und deutet mit dem Finger auf den vorderen Teil unserer Einkaufswaren. Dort steht unter anderem ein Sechserpack Bier.

Verwirrt schaue ich die junge Verkäuferin an. Was will sie von mir? Soll ich die Waren selber einscannen? Ich bitte sie freundlich zu wiederholen, da ich nicht verstanden habe. „Gib das durch“ sagt sie zum dritten Mal als wäre es vollkommen selbstverständlich, ohne zu erklären oder das Wort „bitte“ auch nur anzudeuten.

Sie spricht mit einem starken Akzent, da sie aus einem der umliegenden arabischen Dörfer, oder vielleicht einem.arabischen Stadtteil Jerusalems ist. Im Supermarkt von Mevasseret Zion sind fast alle Angestellte arabische Israelis oder Palästinenser oder wie sie sich selbst auch immer bezeichnen.

Der Inhaber, ein jüdisch israelischer Entrepreneur hat, nach großem geschäftlichen Erfolg in Jerusalem, jetzt in der näheren Umgebung Supermärkte aufgebaut. In diesen Randgebieten bietet er Arbeitsplätze und günstige Einkaufsmöglichkeiten für Israelis und Palästinenser, Juden und Muslime. Und das ist eins seiner Ziele.

Schließlich kommt Nuun, der mit Muslimen täglich arbeitet zu Hilfe und erklärt. Als Muslimin sei es ihr verboten Alkohol anzufassen, deshalb solle ich das Bier an der Kasse durchpiepsen. Das ist mir noch nicht passiert.

Ich komme mir blöd vor, als wäre ich zu dumm, so etwas allein zu verstehen und als würde ich Ihren Glauben nicht respektieren. Umständlich scanne ich das Sechserpack ein, während die muslimische Kassiererin etwas angeekelt zuschaut. War das ignorant von mir, dass ich da nicht selber drauf gekommen bin?

Aber warum bin ich es, die sich wie ein Idiot fühlt, nur weil ich die idiotischen Regeln einer Religion nicht kenne? Wer kann denn den vielen verrückten Verboten noch folgen, die die verschiedenen Religionen ihren Folgern vorgeschrieben haben?

Regeln, die sich jeder Logik entziehen, Regeln, die das natürliche menschliche Handeln bis zur Unmenschlichkeit verdrehen, so dass sie niemand mit einem gesunden Menschenverstand erraten kann.

Verbote, die Menschen sich abgrenzen lassen und Intoleranz lehren. Und am Ende bin ich – die Tolerante – diejenige, die sich ihrer scheinbaren Ignoranz schämt. Das ist absurd.

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Um Jerusalem braut sich ‘was zusammen

Wie ein paar Israelis ihre Leidenschaft zum Bier in Deutschland entdeckten und was in Israel ein Biergarten ist, lernte ich an einem sonnigen Wochenende im Mai.

Was tut man an einem sonnigen Sbabbath in den Jerusalemer Bergen? Samstagsspazieren auf israelisch. Diesmal unternahmen wir die Spazierfahrt zu zweit ohne ein genaues Ziel. 

Wir führen einfach los und suchten uns ein schönes Fleckchen, um unseren Bunsenbrenner-Kaffee zu schlürfen und den Blick über die Berge zu genießen. Ein bisschen laufen, wieder auf’s Motorrad und das nächste nette Fleckchen zum Anhalten ausfindig machen. 

Es war ein wunderschöner Tag, nicht zu heiß und noch war die Landschaft mit Frühlingsblüte geschmückt. 

Und plötzlich war es Mittagszeit und wir bekamen Hunger. Wo findet man an einem Samstagmittag in den Jerusalemer Bergen ein Restaurant? Google Maps weiß es. Tatsächlich hatte die App uns einiges vorzuschlagen. Zu unserem Erstaunen war auch ein Biergarten darunter.

Ein Garten, in dem man Bier trinkt oder ein Biergarten?

Wir kennen natürlich die bayrische Original Variante eines Biergartens, aber was würde uns hier erwarten? Was sich in Tel Aviv Biergarten nennt, sind Restaurants, die auf Bier spezialisiert sind und einfaches Essen servieren, also eher erweiterte Edelkneipen. Nur dass man eben draußen sitzt. 

Der Biergarten in Srigim Li-On, eine ehemalige Moshav etwa 40 km südlich von Jerusalem ist dem Deutschen Modell ein wenig näher. Ich würde sagen, ein Mini Biergarten ohne Weißwurst. Das besondere daran ist jedoch, dass es dort selbst gebrautes Bier gibt und das sogar schmeckt.

biergarten Srigim 2

Die kleine Brauerei ist eine von vielen, die Anfang der 2010er Jahren um Jerusalem gegründet wurden. Es war, als entdeckten die Israelis plötzlich ihre Leidenschaft für Bier. Wie die Mentalität nun einmal ist, wurde diese sofort in die Tat umgesetzt. Yes, we can!

Von Hi-Tech zum Bierbrauen

Wir setzten uns auf die Holzbänke im Biergarten und holten uns Bratwurst mit Kartoffelsalat. Neben uns sassen zwei junge Burschen und spielten Schesch-Besch (Backgammon), die am Eingang für jeden bereitlagen. Man hat Biere von zwei Marken zur Auswahl: Ronen und Emek HaElla. Jede Marke bietet verschiedene Biersorten an. Während Ronen eher nach amerikanischen Geschmacksrichtungen ausgerichtet ist, hat sich Emek HaElla auf den europäischen Stil spezialisiert. Auch ein bayrisches Weizen kann man dort schlürfen.

Bayrisches Weizen Emek HaElla

Ohad Eilon und Ofer Ronen sind die Gründer der beiden Brauereien in Srigim. Beide sind Ex Hi-Tech Leute, die in ihrer Karriere viel in der Welt herum gekommen sind und ihre Leidenschaft für Bier in Deutschland entdeckt haben.

Diese Leidenschaft haben beide zum Hobby gemacht und zum Professionalismus getrieben. Ich weiß nicht, welches der Biere wir getrunken haben, aber sie haben geschmeckt. Die leeren Gläser stellt man selber in einen Behälter neben der Bestelltheke.

Bier aus der häuslichen Küche

Außer der Brauerei in Srigim gibt es in der Gegend noch einige, die sich einen Namen gemacht haben. Am bekanntesten ist wohl Shapiro- Bier. Man kann deren helles oder dunkles Ale in vielen Bars und Restaurants erhalten.

Die Geschichte der Shapiro-Brauerei ist die Geschichte von zwei Brüdern und einem Bier, die sich in Jerusalem abspielt. Sie beginnt in einer privaten Küche mit Plastikbehältern und improvisierten Schläuchen und führt zu einer gut ausgestatteten Brauerei mit modernsten Geräten und Anlagen.

Auf dem Weg dorthin haben die Brüder einige Medaillen in Wettbewerben für Hausbrauereien gewonnen, sich in den USA zu Experten ausbilden lassen und das alles mit sehr viel Leidenschaft.

Bierkonkurenz
Shapiro Bier (2)

Heute befindet sich die Brauerei im Industriegebiet von Beth-Shemesh. Außer sich mit Bier zu beschäftigen sind die Gründer stark in Gemeindearbeit engagiert. Sie unterstützen Stiftungen wie Alyn und Shekel (beide für behinderte Kinder) und sponsern einen regionalen Fußballclub. Bier und Fußball vertragen sich auch in Israel gut.

In Jerusalem bietet Shapiro den altbekannten israelischen Bieren Goldstar und Maccabi Konkurrenz. Wo’s sie gibt, trinke ich das Pale Ale und Nuun das Oatmeal Stout von Shapiro.

Was hätte Herzl zu diesem Bier gesagt?

Die wohl „israelischste‘ Geschichte ist jedoch die von Herzl Bier, der einziegen Brauerei,die in Jerusalem begonnen hat und sich noch in Jerusalem befindet. Sie ist außerdem die wahrscheinlich kleinste Brauerei, die kommerziell Bier macht.

Herzl Bier

Zwischen Autowerkstätten und Läden für Baumaterialien, im etwas schmuddeligen jerusalemer Gewerbegebiet Talpiot findet man die unscheinbare Herzl Beer Factory. Dort kann man sich ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen und es im Vorzimmer genießen.

Die kleine Brauerei öffnete in 2013, als sich zwei Hobby-Brauer zusammenschlossen, um aus dem Spass Ernst werden zu lassen. Maor und Itai sind beide in Jerusalem geboren und wuchsen in die kleine, aber feine kulinarische Szene der Stadt hinein.

Die scottish Connection

Maor hatte gleich nach seinem Armeedienst zu Hause angefangen, Bier zu brauen, einfach weil ihm das Biertrinken in Israel zu teuer geworden war. Die Alkoholsteuern hatten die Preise in Bars so hochgetrieben, dass sogar Bier und Arak zum Luxus geworden waren. 

Es gelang ihm so gut, dass er entschied, in echten Bierländern zu lernen. Unter anderem verschlug es ihn ins abgelegene Schottland in eine kleine, junge Brauerei, die sich „revolutionär“ auf die Flagge geschrieben und „Punk“ auf’s Etikett gedruckt haben. Erst als er nach einigen Monaten Arbeit dort wieder den Heimweg antrat, fand Maor zufällig heraus, dass er nicht der erste Israeli war, der sich hier zum Beer-Punk hatte machen lassen.

Wieder in Jerusalem angekommen, traf er Itai dann persönlich. Es stellte sich heraus, dass die beiden Ex-Schulkameraden waren und sich aus der Jerusalemer Alkohol-Branche schon kannten. Israel ist in vieler Hinsicht wie ein Dorf. Irgendwie trifft man in flexiblen Zeitintervallen immer wieder dieselben Leute. Die Basis für Herzl Beer Factory, nach Brewdog Muster war gelegt. 

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Dies sind nur eine Handvoll der Brauereien, die nach der Erhebung der Alkoholsteuern von irgendwelchen Träumern gegründet worden waren. Für mich zeigt sich wieder einmal der Einfallsreichtum und der Tatfreudigkeit der israelischen Mentalität: Israelis verzichten nicht auf etwas, was sie mögen, nur weil es zu teuer geworden ist – sie machen es selber! Auch wenn es bedeutet um die Welt zu reisen, um es zu lernen. Hürden sind nur dazu da, es interessanter zu machen.

Shalva Band – the True Stars of the Eurovision

They received a minutes-long standing ovation. They had the entire audience up on their feet. TV-viewers all over the world were driven to tears, and everyone knows their name now: The Shalva Band.

This group of young musicians has captured the hearts of every Israeli and touched even the toughest of critics. Shalva have become true superstars, uniting all of Israel as their fans.

What lies behind their success, and where did their story begin? Great success is often born out of tragedy. It seems the Shalva band on the Eurovision stage leads more than one tragic story to a happy ending and to amazing new beginnings.

Their full name is The Shalva Center House Band. Jerusalem residents may know the Shalva Center, others may guess. It is a center that provides services for children with disabilities and support for their families.  Ahhhh, some will say, now I understand! But wait, you have not heard the real story just yet.

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Das traurige Geheimnis des muslimischen Putzers

Ich war vom Heulen einer Krankenwagensirene aufgewacht. Während ich duschte, glaubte ich eine weitere zu hören. Jetzt, als ich meinen Morgenkaffee schlürfte, hörte ich schon wieder eine.

Ich lauschte noch eine Weile nachdem es still geworden war, konnte aber nichts Außergewöhnliches wahrnehmen. Es hatte keinen Knall gegeben, nirgends waren Rauchschwaden und niemand gab Anweisungen über Lautsprecher oder Megafon. Trotzdem war es höchst beunruhigend.

Ich schnappte meinen Autoschlüssel und machte mich auf zur Arbeit. Die Straße hinauf zum Kreisel und dann in Richtung Ortstor. Als ich über die Holperschwellen durch die Schranke fuhr, hörte ich wieder Sirenen. Es war jedoch kein Krankenwagen; auch keine Polizei und keine Feuerwehr. Einige Limousinen brausten, von Armeefahrzeugen begleitet, auf unseren Ort zu und passierten die Schranke.

Irgendetwas musste passiert sein, in unserem friedlichen Dorf. Ich suchte einen Sender im Radio, aber es dauerte eine Weile, bis die aktuellen Nachrichten gebracht wurden. Ich erinnere mich heute nicht mehr, woher ich es als Erstes erfahren hatte.

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Wo ist Deutschland?

In meiner ersten Zeit in Israel gab es einen Tag im Jahr an dem ich mich als Deutsche immer etwas unwohl fühlte. Das war natürlich der Holocaust-Gedenktag. Nein, kein schlechtes Gewissen, keine Schuldgefühle, nur einfach so ein merkwürdiges Unwohlsein.

Irgendwann kam ich mit der historisch Emotions-geladenen Tatsache als Deutsche in Israel zu leben zu Potte; selbst an besagtem Gedenktag.

Bis gestern. Gestern habe ich es wieder gespürt, dieses schwer zu identifizierende mulmige Etwas im Bauch. Eine Mischung aus Frust und Trauer, Enttäuschung und Hilflosigkeit.

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Differences

Bnei Brak is a different story. O.k. let me rephrase that: it is yet another cultural experience in Israel.

The way it looks here is different from any other place I have come to know in Israel. The amazing thing is that considering the size of this tiny country you would expect it to look pretty much the same everywhere. I am not talking about the landscape or the view, but the urban character. Jerusalem and Tel Aviv are worlds apart, yet less than an hours drive separates them. The towns in the northern part have their own flair and so do the ones in the desert areas. Eilat is a story in its own. And now I am discovering that there is still more.

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