Religion an der Kasse

Freitag Mittag an der Kasse im Supermarkt. Endlich ist der Warenhaufen des Herrn vor uns durch die Kasse gepiepst und gezahlt. Wir sind an der Reihe. Nuun steht auf der anderen Seite bereit unsere Öko-Taschen mit Einkäufen zu füllen, sobald die Kassiererin sie eingescannt hat.

„Gib das Mal durch“ sagt sie und zeigt mit dem Finger flüchtig auf die ersten unserer Waren auf dem Laufband. Ich schaue sie verständnislos an. Vielleicht habe ich nicht richtig gehört. „Bitte?“ Erwidere ich. „Gib das durch“ sagt sie tonlos und deutet mit dem Finger auf den vorderen Teil unserer Einkaufswaren. Dort steht unter anderem ein Sechserpack Bier.

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Burkini und Schwimmflügel

Als ich zum ersten Mal einen Burkini sah wusste ich nicht, ob ich lachen oder den Kopf schütteln sollte. Da man aber beides aus Respekt vor anderen Kulturen nicht tut, riss ich mich zusammen. Es war auch gar nicht so sehr der Burkini, denn mit dem hatte ich mich schnell angefreundet, sondern dass, was sich drumherum abspielte. Ich senkte also schmunzelnd den Kopf und beobachtete das bizarr amüsante Schauspiel über den Rand meiner Sonnenbrille hinweg.

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Stolz in Jerusalem

Die Hündin Nala schaut aufgeregt vom Balkon des Zimmers in der Studenten-WG. Was da unten wohl los ist? Wie spannend, die vielen Menschen, die da gemeinsam laufen, singen und trommeln, manche tanzen sogar. Sie halten Schilder und Plakate hoch, schwängen Fahnen in Regenbogenfarben, einige sind verrückt gekleidet. Alles ist sehr farbenfroh und fröhlich.

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Schweigen ist keine Pflicht

Nicht nur am Holocaust Gedenktag gibt es in Israel eine Schweigeminute. Es ist eine sehr eindringliche und ausdrucksstarke Art dem Gedenken einen gebuehrenden Platz im Leben der Gemeinschaft und eines jeden Einzelnen zu verleihen. Morgen ist Israelischer Unabhaengigkeitstag. Einen Tag zuvor gedenkt man den Gefallenen in allen Kriegen und der Terroropfer. Auch an diesem Tag heulen die Sirenen und das hektische Leben stoppt, als haette jemand die Pause Taste gedrueckt.

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Die zwei Seiten der Angst

Eine Kurzgeschichte nach wahren Begebenheiten

Mit Genugtuung schaut sie in ihrer Einzimmerwohnung umher. Ihr Blick wandert von der bescheidenen Küche zum vergrößerten Wohnzimmerfenster und zum Ausgang auf den Balkon, von dort weiter durch die offene Badezimmertür auf die Duschkabine. Nachdem ihr Mann gestorben war, hatte sie ihre Ersparnisse in die Renovierung ihrer kleinen Wohnung investiert. Es war eine teure Angelegenheit gewesen, aber es hatte sich gelohnt. Esther wohnte schon viele Jahre in Nachlaot, einem der ältesten Wohnbezirke in West Jerusalem. Von hier ist das Stadtzentrum zu Fuß erreichbar, sowie auch der große Machane Yehuda Markt und der Sacker Park. Die Häuser sind simpel und niedrig, sie stehen nebeneinander, übereinander, durcheinander, dazwischen kleine Höfe, Gärten, Zäune und Treppen, viele Treppen und Wege. Sämtliche Gebäude hier sind entweder renovierungsbedürftig oder schon renoviert. Wenige, einspurige Straßen schlängeln sich zwischendurch. Bewohnt wird die Gegend hauptsächlich von Studenten, Künstlern und orthodoxen Juden.

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Leseempfehlung

„Der IS gehört in den untersten Kreis der Hölle“

Lord Weidenfeld floh als junger Mann vor den Nazis. Doch die Dschihadisten vom „Islamischen Staat“ findet er noch schlimmer. Ein Gespräch über die Erfahrung der Flucht und die Grenzen des Pazifismus.

So eröffnet die die Welt Am Sonntag das Interview mit diesem beeindruckenden Mann. Obwohl es für meine kurze Konzenrationsfähigkeit relativ lang ist, habe ich es bis zum Ende gelesen und den gesunden Menschenverstand des Lords genossen. Er zeigt eine etwas andere Sichtweise und bringt daher Aspekte, die oft vernachlässigt werden.

http://www.welt.de/kultur/article149916657/Der-IS-gehoert-in-den-untersten-Kreis-der-Hoelle.html

 

Islam App jetzt für Android und IPhone

Während ich vorgestern an einer Übersetzung arbeitete und eine der on-line Wörterbücher öffnete, poppte mir folgende Werbung in Großbuchstaben entgegen: ‚Was ist Islam?‘ Und darunter stand etwas kleiner ‚Islam kennenlernen und konvertieren mit Direkthilfe im Chat‘ – Wie bitte? Da muss ich wohl etwas falsch gelesen haben. Noch einmal: ‚Islam kennenlernen….‘ – bis hier alles o.k. – ‚und konvertieren…. ‚ – ja genau, konvertieren! – ‚mit Direkthilfe im Chat‘. Ich musste das ein paar Mal lesen, um es zu glauben. Per Klick kann man jetzt zum Islam konvertieren!  Als sei Religion eine App zur Kommunikation mit Gott. Einfach aufs Handy oder den PC runter laden und Allah macht den Rest. Erst kriegst Du eine Probephase zum ‚kennenlernen‘ und im Chat kannst Du Dir Deine Gehirnwäsche abholen.

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Sprudel Bomben in besetzten Gebieten

Neben der Espressomaschine in der Firmenküche steht ein Trinkwassersprudler. Im Schrank darunter finde ich Espresso Kapseln und natürliche Geschmackssirups für den Sprudeler. Ich trinke Sprudel lieber natur, obwohl es im Sommer ganz gut ist etwas Süßes zu trinken. Dann trinkt man einfach mehr. Während ich die Blasen, die in die Flasche explodieren und sich dort wild tummeln beobachte, schweifen meine Gedanken zu dem Tag, an dem ich zu einem Vorstellungsgespräch bei der Firma, die diese Geräte entwickelt hat und herstellt, geladen war. Damals hieß sie noch Soda Club. Ich lebte 15 Minuten südlich außerhalb Jerusalems. Die Anfahrt dauerte lange. Ich musste durch den gesamten Stadtverkehr und dann auf der östlichen Seite Jerusalems in Richtung Totes Meer wieder raus. Nach kurzer Fahrt wird man am Kontrollpunkt, der die Einfahrt in die „besetzten Gebiete“ signalisiert, kurz von Soldaten gecheckt und nach weiteren 15 Minuten gelangt man zum Industriegebiet Mishor Adumim.

„Besetzte Gebiete“ diese Bezeichnung ist mir zuwider. Nicht, weil sie einen unangenehmen Teil der israelischen Realität beschreibt, nein, damit habe ich kein großes Problem. Schließlich war das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan so gut wie nie etwas anderes, als ‚besetzt‘. Vor den Israelis waren es die Britten, die die Ottomanen nach mehreren Jahrhunderten ablösten. Davor waren die Besetzer Mameluken, Kreuzfahrer, Byzantiner, Römer, zwischendurch die verschiedensten Caliphate und die Liste geht weiter über Perser und Babylonier bis tief in die vorchristliche Zeit. Womit ich ein Problem habe ist, dass zu Viele diesen Begriff zu oft benutzen, ohne sich dieser und vieler anderer Tatsachen bewusst zu sein. Jeder hat eine Meinung, aber niemand weiß wirklich wozu. 

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PIGUA oder Alltag der Attentate


Eine kleine Traube von Menschen hat sich vor dem Fenster unseres Bueros im 25. Stock des Geschäftszentrum Azrielli in Tel Aviv angesammelt. Man drückt sich die Nasen platt um zu sehen, was sich etwa 90 Meter unter uns auf der Autobahnbrücke abspielt. Vor wenigen Minuten hatten wir Schüsse gehört. Wir waren uns aber nicht sicher gewesen, ob das, was unsere konzentrierte Arbeitsstille gestört hatte wirklich Schüsse gewesen waren oder nur unsere überspannte Sensibilität. „Geht das hier jetzt auch los, oder was?“ Hatte einer meiner Kollegen gefragt und wir wussten alle, was er meinte. 

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Coexistenz im Jerusalemer Familien-Garten

Solltest Du einen Garten haben, so bin ich sicher, dass Du grosse Freude daran hast. Selbst wenn Du nicht der ergebenste Gärtner bist, oder von chronischer Grill-Sucht befallen, so wirst Du trotzdem die Freuden Deines eigenen kleinen Freigeländes zu schätzen wissen. Die Zeit, die Du dort drauβen verbringst mag zwar gering sein im Verhältnis zu dem Aufwand, den es bedarf es ansehnlich zu halten, aber das ist nicht, was wichtig ist. Wichtig ist, die Möglichkeit zu haben. Ein Garten bedeutet ein bisschen mehr Platz und wesentlich mehr Freiheitsgefühl zu Hause. Normalerweise ist man drauβen im Transit, entweder auf dem Weg irgendwohin oder irgendwoher. Ein Garten ist der einzige Platz an dem man in Ruhe drauβen sein kann.

Ich lebe im zweiten Stock eines Wohnhauses in einem relativ eng bewohnten jerusalemer Viertel. Kein Platz für einen eigenen Garten. In Jerusalem jedoch, hat man die Möglichkeit die Vorteile eines Gartens trotzdem zu genieβen, solange es einem nichts ausmacht ihn zu teilen.

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