Meine Mamas Lieblingsboutique

Die Läden meiner Kindheit – Dieses reizende Erzählprojekt im Teestübchen Trithemius ist voll mit wunderbarer Alltags-Nostalgie. Ich wünschte, ich könnte da mitreden, habe aber leider so gut wie gar keine solche Kindheitserinnerung. Als Berliner Stadtkind gingen wir zu Bolle nebenan und damit hatte sich die Sache. Kleidung kauften wir bei C&A, Schuhe am liebsten bei Salamander, denn da gab’s den Lurchi …. außerdem zogen wir sowieso alle paar Jahre in eine andere Gegend und lebten nie irgendwo lange genug, als dass in mir Nostalgie aufkommen könnt. 

Über die einzige Erinnerung, die sich bei mir über längere Zeit einprägte, habe ich letztes Jahr schon einmal geschrieben, denn sie wurde an einem unerwarteten Ort wieder lebendig. Ich habe es für dieses Projekt noch einmal ein wenig umgeschrieben und aktualisiert:

Meine Mamas Lieblingsboutique

Stoffe der Blusen und Schals streifen mir sanft über meine Schultern und mit den bloßen Händen erwidere ich  zögernd ihre neugierigen Berührungen. Ich darf hier nicht alles anfassen. Diese Sachen gehören mir nicht. Und was einem nicht gehört, darf man nicht ohne zu fragen anfassen. Außerdem könnten die edlen Kleider in dieser exklusiven Boutique schmutzig oder kraus werden vom vielen Anfassen.

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Die weiße Wäsche der Nachbarn

Nach einigen Telefonaten hatten wir den Namen und die Nummer einer Schneiderin aus dem arabischen Nachbardorf Abu Gosch. Diese wiederum verwies uns auf eine andere, die in Jerusalem arbeitet und erst gegen drei Uhr zurück kommen würde. Sie würde jedoch die Arbeit für uns erledigen können. Es ist nicht so einfach über die Feiertage dringende Sachen zu erledigen. Eine Woche nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschanah, welches zwei Tage dauert, folgt Yom Kippur und vier Tage danach das Laubhüttenfest Sukkot. Dieses dauert eine ganze Woche, mit einem arbeitsfreien Tag am Anfang und einem am Ende. Ämter und andere staatliche Einrichtungen sind die ganze Woche geschlossen. Viele Geschäfte arbeiten nur einen halben Tag. Und dann gibt es zwischendurch natürlich noch die Wochenenden.

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Stiller Tag, heiliger Tag

Solch enorme Ruhe kann es einzig und allein an Yom Kippur in Israel geben.

Es beginnt am frühen Nachmittag, wenn die Büros geschlossen werden und mit ihnen Klimaanlagen, Kaffeemaschinen, Drucker usw. zur Ruhe kommen. Fabriken schließen für eine Nacht und einen Tag die Türen, nachdem Stanzen, Plastik-Injektoren, Fließbänder und jegliche Maschinen abgeschaltet wurden. In Hi-Tech Firmen erschwarzen die Bildschirme, die Forschungslabors bleiben ungenutzt. Die Einkaufszentren leeren sich, im Markt werden die Jalousien heruntergezogen. Am Hafen liegen die Schiffe, Kräne und die Gabelstapler in den Lagerräumen still. Die Gepäckbänder am Flughafen bleiben stehen, das letzte Flugzeug ist schon gelandet, und kein Flugzeug startet mehr, die Duty-Free Läden schalten die Lichter aus. Der letzte Zug fährt in den Bahnhof ein, dann stellen auch Busse und Taxifahrer ihren Dienst ein. Die Menschen begeben sich nach Hause. Selbst die privaten Autos bleiben bis zum folgenden Abend in Garagen und auf Parkplätzen. Es herrscht Stille.

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Schimon Peres ist nicht mehr

„Der letzte der Mohikaner ist nicht mehr“ klingt die ernste Stimme des Erzählers durch die dunkle Stille des Kinderzimmers. In den langsam gesprochenen Worten kommt die unabwendbare Endgültigkeit dieses Satzes in all seiner Tragik zum Ausdruck. Die Bedeutung dieser folgenschweren Tatsache breitet sich in der Leere des Raumes aus und begleitet mich in den Schlaf.

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Fröhliches Neujahr – Kalendergeschichten

abseits vom mainstream - heplev

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 2. Oktober 2016

Neujahr ist in diesem Jahr ein doppeltes Fest. Während die Juden ihr „Rosch Haschana“ begehen, den „Kopf des Jahres“, feiern die Moslems zeitgleich mit der Hijra den ersten Monat Muharram des islamischen Mondjahres.

Während bei den Juden ein Fischkopf auf dem Festteller liegt und Apfelschreiben in Honig getunkt werden, damit es ein „süßes Jahr“ werden möge, genießen die Moslems Ashura oder den „Pudding des Noah“ mit mindestens sieben Zutaten, darunter Körnern, Hülsenfrüchten, getrockneten oder frischen Früchten, Salz und Honig. Darüber werden Rosenwasser, Sesam, Nüsse und Granatapfelkerne geschüttet.

Die Christen begehen ihr Neujahr bekanntlich an Silvester, zufällig acht Tage nach der Geburt Jesu am 24. Dezember. Gemäß jüdischem Brauch wird ein neugeborener Junge am 8. Tag beschnitten. Dann erst, durch die „Aufnahme in den Bund Abrahams“ und seiner Namensnennung, wird er zum „Menschen“.

Im Altertum gab es keine allgemeine „Zeitrechnung“. Gezählt wurden die Jahre…

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Ein etwas anderer Nachruf auf Peres

abseits vom mainstream - heplev

Ulrich W. Sahm (direkt vom Autor)

Schimon Peres war nicht nur der „unverbesserliche Optimist“ und der Träger des Friedensnobelpreises zusammen mit Jitzhak Rabin und Jassir Arafat. Erwähnt wird stets, dass Peres der „Vater der israelischen Atombombe“ sei. Tatsächlich hat er mit französischer Hilfe die „Textilfabrik“ bei Dimona errichtet – wie Staatsgründer David Ben Gurion den Atomreaktor bezeichnete.

Vergessen ist, dass Peres ein politischer Falke war und deshalb als „Vater der Siedlungspolitik“ in die Geschichte eingehen sollte. Er hat die hochqualifizierte israelische Militärindustrie aus dem Boden gestampft, heute einer der Motoren der Wirtschaft. Aus ihr ist die erfolgreiche Start-up Industrie hervorgegangen.

Im Ausland weniger bekannt war sein politischer Kunstgriff, die Inflationsrate von über 400% zu bändigen. So hatte er Israels Wirtschaft vor ihrem Untergang bewahrt. Seine politischen Niederlagen in seiner langen Karriere hatte er teilweise selber verschuldet. Er verlor 1996 die Wahlen an Benjamin Netanjahu wegen einem verfehlten Bombardement im libanesischen…

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Heute auf ARTE: Siedlerdoku

Ich, die Siedlerin | Eine jüdische Stimme aus Judäa

​Heute um 20.15 Uhr (deutsche Zeit) wird auf ARTE der erste Teil der israelischen Doku „Die Siedler der Westbank“ von Shimon Dotan gezeigt. Ich lade euch dazu ein, sich den Film anzuschauen und eure Meinung dazu abzugeben; selbst werde auch ich zeitnah eine kurze Rezension dazu verfassen.

Link dazu bei ARTE:Hier klicken

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