Normalisierung?

Gestern war der erste Tag seit über zwei Monaten, der nicht mit Nachrichten über Terroranschläge oder die Beerdigung derer Opfer begonnen hat. Auf der Webseite der Tageszeitung stand etwas über das skandalöse Verhalten eines Knesset Mitglieds und über Demonstrationen gegen die Wirtschaftspolitik. Zur Abwechslung befasst man sich mal wieder mit normalen Dingen.

Wir befassen uns beim Frühstück mit dem bevorstehenden Winter. Dieser macht sich langsam bemerkbar. Die Temperaturen schwanken zwischen 8 Grad in der Nacht und 22 Grad am Tag. Mir macht das zu schaffen, mein Kreislauf streikt da ab und zu und dann plagt mich die Migräne. Auch heftigen Regen hat es schon gegeben, was in den Küstenregionen sogar zu überraschenden Überschwemmungen geführt hat.
Wir müssen Wohnung und Garten auf die Stürme, den Regen und den Schnee vorbereiten. Die Wohnung ist, wie fast alle Wohnungen, in denen ich in Israel gewohnt habe, nicht ausreichend isoliert und daher dringt Feuchtigkeit ein. Hier ist es besonders schlimm. Die Wände schimmeln nicht nur, sondern die Farbe blättert an manchen Stellen von ihnen ab. Viel können wir daran nicht ändern. Die Wohnung ist gemietet. Aber darüber will ich mich nicht auslassen. Wir lieben diese Wohnung aus anderen Gründen.

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Sprudel Bomben in besetzten Gebieten

Neben der Espressomaschine in der Firmenküche steht ein Trinkwassersprudler. Im Schrank darunter finde ich Espresso Kapseln und natürliche Geschmackssirups für den Sprudeler. Ich trinke Sprudel lieber natur, obwohl es im Sommer ganz gut ist etwas Süßes zu trinken. Dann trinkt man einfach mehr. Während ich die Blasen, die in die Flasche explodieren und sich dort wild tummeln beobachte, schweifen meine Gedanken zu dem Tag, an dem ich zu einem Vorstellungsgespräch bei der Firma, die diese Geräte entwickelt hat und herstellt, geladen war. Damals hieß sie noch Soda Club. Ich lebte 15 Minuten südlich außerhalb Jerusalems. Die Anfahrt dauerte lange. Ich musste durch den gesamten Stadtverkehr und dann auf der östlichen Seite Jerusalems in Richtung Totes Meer wieder raus. Nach kurzer Fahrt wird man am Kontrollpunkt, der die Einfahrt in die „besetzten Gebiete“ signalisiert, kurz von Soldaten gecheckt und nach weiteren 15 Minuten gelangt man zum Industriegebiet Mishor Adumim.

„Besetzte Gebiete“ diese Bezeichnung ist mir zuwider. Nicht, weil sie einen unangenehmen Teil der israelischen Realität beschreibt, nein, damit habe ich kein großes Problem. Schließlich war das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan so gut wie nie etwas anderes, als ‚besetzt‘. Vor den Israelis waren es die Britten, die die Ottomanen nach mehreren Jahrhunderten ablösten. Davor waren die Besetzer Mameluken, Kreuzfahrer, Byzantiner, Römer, zwischendurch die verschiedensten Caliphate und die Liste geht weiter über Perser und Babylonier bis tief in die vorchristliche Zeit. Womit ich ein Problem habe ist, dass zu Viele diesen Begriff zu oft benutzen, ohne sich dieser und vieler anderer Tatsachen bewusst zu sein. Jeder hat eine Meinung, aber niemand weiß wirklich wozu. 

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PIGUA oder Alltag der Attentate


Eine kleine Traube von Menschen hat sich vor dem Fenster unseres Bueros im 25. Stock des Geschäftszentrum Azrielli in Tel Aviv angesammelt. Man drückt sich die Nasen platt um zu sehen, was sich etwa 90 Meter unter uns auf der Autobahnbrücke abspielt. Vor wenigen Minuten hatten wir Schüsse gehört. Wir waren uns aber nicht sicher gewesen, ob das, was unsere konzentrierte Arbeitsstille gestört hatte wirklich Schüsse gewesen waren oder nur unsere überspannte Sensibilität. „Geht das hier jetzt auch los, oder was?“ Hatte einer meiner Kollegen gefragt und wir wussten alle, was er meinte. 

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